Viva Mexico! - Teil 2 (ab Palenque)

Aktualisiert am: 25. Dezember 2020

 

In der Mittagshitze zurück am Auto können wir uns noch nicht zur Weiterfahrt animieren und drömeln lieber noch etwas vor uns hin. Erst am Tag darauf geht die Fahrt weiter nach PALENQUE, einer weiteren, viel bekannteren Pyramidenanlage mitten im Dschungel. Wir suchen uns einen Platz auf dem Gelände eines rein aus Cabañas bestehenden Hotels aus, der am nächsten zu den Ruinen gelegen ist und siehe da, das ist der Platz, auf dem ich damals auch schon mal gezeltet habe. Ich fand das früher schon toll hier und heute ist alles noch schöner angelegt. Neben den Cabañas gibt es auch einige Palapas hier und jede Menge Dschungelatmosphäre. Rainer Langhans, Uschi Obermaier sowie Matthias Reim sind auch schon da, oder zumindest sehen sie so aus… Auch eine Reisegruppe ist hier, die in der schönen Bar ihre Pläne für den nächsten Tag schmiedet, noch scheint also alles möglich zu sein. Wir wissen immer noch nicht, was wir mit der Situation anfangen sollen. Wir stoßen mit Corona-Bier an. Vielleicht lässt sich ja damit auch das Virus in Schach halten…?!

 

 

Am nächsten Morgen machen wir uns auf zu den Pyramiden, aber am Gate dorthin werden wir abgewiesen, für dieses Wochenende (wir haben den 21. März) sind sie wegen Corona und der Vermeidung von Menschenansammlungen geschlossen. Mist, hätten wir uns den Nachmittag nach unserem Yaxchilan-Abenteuer schon hierher aufgemacht, hätten wir sie gestern noch sehen können. Unverrichteter Dinge also zurück zum Platz, wo wir auf Rhonda und Larry (das Matthias-Reim-Double) treffen, ein amerikanisch-kanadisches Paar mit Airstream-Trailer, das ebenfalls heute vergeblich zu den Ruinen wollte. Wir hoffen also alle auf Montag, dass dort wieder geöffnet ist. Wir planen, danach so schnell wie möglich noch bis zur Yucatan-Halbinsel zu kommen. Dort wollen wir uns Hängematten zulegen und die ganze Situation zwischen Palmen quasi ausschwingen.

 

Doch soweit kommt es gar nicht erst, denn am Montag hören wir, dass bis Ende April alle Pyramiden des Landes, Nationalparks und andere Attraktionen geschlossen sind. Hm, Yucatan fällt also erstmal aus, von einer Reise nach Kolumbien ganz zu schweigen. Weiterreisen wird scheinbar immer schwerer, wer weiß, wie lange man überhaupt noch weiterkommt. Wird man vielleicht sogar von Polizei und Militär daran gehindert??? Keine Ahnung! Auch die Einheimischen wissen es nicht, was Ihr eigenes Land, die Regierung und die einzelnen Bundesstaaten davon machen. Nach einem Tag voller Widerwilligkeit, das alles zu akzeptieren, stellt sich ein ganz ungewohntes Gefühl ein: Urlaub! Auf unserer bisherigen Weltreise wie auch sonst auf Reisen kennen wir es ja nur noch, ständig weiterzuziehen. Jetzt sind wir quasi im Dschungelparadies gefangen. Und statt von Viren lassen wir uns hier von bunten Kolibris, Schmetterlingen und Tucanen umschwirren. Alles mögliche an Getier kreucht und fleucht herum, überall gibt’s ständig was zu gucken, zu entdecken und mit der Kamera nachzujagen. Langweilig wird’s hier so schnell nicht. Hätte uns echt schlimmer treffen können! Wir machen nun also unser eigenes Dschungelcamp auf nach dem Motto „Ich bin kein Star, holt mich hier nicht raus!“. Zumindest nicht so schnell…

 

 

Auch in den Badräumen ist es immer wieder interessant, was hier alles an den verschiedenen Türen und Wänden sitzt. Beige Eidechsen, große, schwarz-braune Nachtfalter, riesige Motten, diverse Käferarten, Frösche und natürlich Mücken. Jedesmal sitzt wieder was Neues irgendwo. Aber der Knüller wartet hinterm Badhaus. Wir trauen unseren Augen kaum, als wir dort einen Skorpion sehen mit irgendwas Komischem auf dem Rücken. Erst können wir es kaum identifizieren, aber bei näherem Hinsehen ist es eine ganze Bande von Skorpionbabys, die auf der Mutter sitzen. Sie sehen fast aus, wie Maden, die sich durch einen Körper fressen. Und wie wir dann erfahren, tun sie genau das! Sobald sie groß genug sind, fressen sie die Mutter auf und sind damit dann gestärkt, um allein in die Welt hinaus zu gehen…! Buuuuaaaah!!!! Es ist gleichermaßen unfassbar eklig wie auch faszinierend! Als wir nur wenige Stunden später nochmal dort nachschauen, ist alles weg. Sowohl die Überreste der Mutter als auch die ganze Babyschar… Aufpassen, wo man hintritt, ist jetzt wohl die Devise! Besonders, wenn man in Flip Flops unterwegs ist…

 

 

Da wir ja nun erstmal nicht mehr weiter zur Küste kommen, um uns mit Hängematten unter Palmen zu legen, kaufen wir uns hier welche vom Nachbarn, der uns verschiedene austesten lässt, bis wir uns mit zwei schönen, bunten Exemplaren eingedeckt haben. Sofort bringen wir sie unter einem Palapa direkt neben einem Riesenbambus und mit guter Aussicht an und schaukeln dann eben hier, bis die Corona-Phase durch ist. Wir versuchen, von ihm auch ein passendes Mückennetz nähen zu lassen. Der Preis dafür ist leider unverhältnismäßig und so organisere ich Netzstoff und nähe den Kram selber. Das dauert! Aber ich kann ja nicht behaupten, gerade nicht genug Zeit zu haben…

 

 

„Rainer“ und „Uschi“ sind abgereist, dafür schlüpfen gerade noch so zwei deutsche Reisefahrzeuge rein (das eine Paar, Gaby und Nikolai, haben wir sogar schon zwei Mal unterwegs getroffen), dann macht die Anlage zu und lässt wegen Corona keine neuen Gäste mehr rein. So sind wir nun also mit vier Fahrzeugen und Sybren aus Holland, der sich um die Gäste und Orga kümmert, die einzig übrig Gebliebenen und jetzt zusammen quasi in Gruppenquarantäne. Bis wir für einen längeren Aufenthalt den optimalen Parkplatz auf dem Gelände gefunden haben, der genug Sonne für die Solarpanels hat, aber sonst möglichst schattig ist und auch bei Regen nicht schlammig wird, dauert es ein paar Umparkaktionen. Dann reihen wir uns aber mit den anderen zusammen ein.

 

 

Es besteht eine Chance, dass AGUA AZUL noch geöffnet hat. Dies ist ein Gebiet mit vielen wunderschönen, türkisen Wasserfällen etwa 1 1/2 Stunden Serpentinenfahrt von hier entfernt. Mit Rhonda und Larry machen wir uns auf den Weg. Wir kommen tatsächlich noch herein und sind die einzigen ausländischen Gäste. Sonst sind es rein noch die Einheimischen, die sich hier eine Runde abkühlen. Das ganze Areal ist aber groß genug, um sich ansteckungsmäßig weit aus dem Weg zu gehen. Es gibt hier auch eine Schaukel, um uns ganz im Tarzan-Stil ins Wasser zu schwingen. Das ist lustig wie auch überhaupt der ganze Nachmittag mit unseren neuen Nachbarn! Gut abgekühlt kommen wir wieder zurück in unserem Dschungelcamp an. Das war ein schöner Ausflug!

 

 

Es ist unglaublich, wieviele Tierarten es hier in unserem Camp in den verschiedenen, wunderschönen Arealen gibt und was diese Dschungelbewohner für eine Geräuschkulisse kreieren. Ganz vorne an die Brüllaffen, die mehrfach am Tag und auch in der Nacht mit ihrem abenteuerlich röhrenden Gebrüll und zwischenzeitlich hustendem Gebell ihr Revier markieren. Manchmal sind sie auch ganz nah in den Bäumen und kommen uns besuchen. Aber auch die Grillen sind nicht schlecht. Eine Art klingt erst wie ein lautes EKG, um dann in einem Wahnsinns-56k-Modem-Geräusch zu enden. Sitzt so ein Tier in der Nähe, kann man sich kaum in Normallautstärke unterhalten. Unzählige Vogelarten und ihr Gezwitscher kommen noch hinzu. Die einen flöten geradezu überfröhlich ihre Melodie, die anderen machen Geräusche, die ganz und gar exotisch klingen. Kleine Papageien schnattern ständig vor sich hin, während die großen Aras ihren zeitweise regelmäßigen Überflug mit lautem Gekreische kommentieren. Letztere sind mit am schwersten zu fotografieren, einmal durch ihre Flughöhe und zum anderen weiß man auch nie, wo genau sie über dem Dschungel herauskommen und die Lichtung überfliegen. Die großen Regenbogen-Tucane sind ebenfalls eine Herausforderung für sich. Ihre taktförmigen, schnarzenden Rufe sind weithin zu hören, aber sie sitzen immer in den höchsten Bäumen, am besten immer in denen mit dem dichtesten Laub, dass man sie oft kaum erspähen, geschweige denn fotografieren kann. Und kaum ist man ihrem Ruf gefolgt und hat sie entdeckt, sind sie auch schon wieder weg. Die Halsbandarassaris - die „kleinen Tucane“  - sind ein kleines bisschen einfacher vor die Linse zu bekommen, aber auch immer noch ziemlich flink. Und sie kündigen sich gar nicht an, diese sind ausnahmsweise mal ganz leise.

 

 

Bei Ankunft hier hatten wir noch etwa 33-35 °C und fanden das schon heiß. Aber je länger wir hier sind, umso mehr steigert sich die Temperatur. Eine Zeit haben wir über mehrere Wochen um die 43 °C! Und dazu noch die Luftfeuchtigkeit! Das fühlt sich auch ohne Corona wie Fieber an! Kaum hat man was getrunken, schwitzt man es schon wieder aus. Eins ist klar: Frieren werden wir hier die nächste Zeit nicht. Statt dessen gilt das Motto: „Hier sitz ich und hier schwitz ich!“ Da hilft nur die allnachmittägliche Abkühlung im Swimmingpool. Rhonda und Larry haben allerhand Spielkram dabei und so wird Wasservolleyball gespielt, Icecream-Rodeo (halbes Surfboard auf Eistütenluftmatraze und dann sich so lange wie möglich darauf halten) ausprobiert und Poolsurfen auf dem halben Board optimiert. Super lustig!

 

 

Die Ostertage kommen und wir machen alle ein buntes Osterfrühstück zusammen. An anderen Abenden ist gemeinsames Grillen und anschließendes Lagerfeuer angesagt. Manche Nachmittage werden mit Kuchenfuttern verbracht und an Torbens Geburtstag hat irrer Weise auch Nikolai seinen Ehrentag und wir essen alle zusammen. So schön kann Quarantäne sein!

 

 

Nur zum Einkaufen einmal die Woche verlassen wir unser kleines Paradies und begeben uns mit Mundschutz in den Supermarkt. So eine Maske wird mittlerweile von allen getragen. Und es darf nur noch einer pro Paar bzw. Familie in das Geschäft, es werden einem die Hände und der Einkaufswagen desinfiziert und wer von uns gerade einkauft, achtet entsprechend auf Abstand (der Mexikaner an sich leider nicht so sehr…). Die Regale sind voll, es gibt hier keinen Klopapier-Notstand... Auch gibt es kein Ausgehverbot, sondern die Straßen sind sogar noch recht belebt. Einige kleine Geschäfte haben zwar zu, aber viele bleiben dennoch geöffnet, wodurch sich kein Bild wie offenbar derzeit in Europa mit leergefegten Straßen ergibt. Schulen sind aber zu, Nationalparks, Pyramiden ebenso wie Restaurants, Hotels und Strände. Alkoholverkauf ist nun verboten. Aber von den Einheimischen kann man im Gesamteindruck nicht behaupten, dass sie panisch reagieren würden, auch wenn sicher viele in ihrer Existenz bedroht sind durch die Corona-Maßnahmen. Sie kommen sogar ziemlich entspannt rüber. Ich frage mich zwar in der Anfangsphase, ob sie uns Ausländer als potenziellen Virenträger ansehen, wenn wir so durch den Supermarkt gehen, aber sie lächeln eher oder vielleicht sieht man mal ein Fragezeichen in den Gesichtern, was wir denn wohl noch hier machen. Aber sie haben uns bisher tatsächlich ein positives Gefühl vermittelt.

 

 

Unser Camp ist zum Glück ein Katzenparadies! Ein seltenes Phänomen in Mexico bei den sonst allgegenwärtigen Hunden, die sich permanent mit anderen Artgenossen Wettkämpfe abliefern, wer denn nun am besten oder lautesten kläffen kann… Tag wie Nacht! Katzen dagegen sind ja so schön leise! Gypsy hat sich an einem mexikanischen Strand Rhonda und Larry als neue Besitzer auserkoren, ist geradewegs in deren Trailer marschiert und ihn als ihr neues Zuhause deklariert. Trotz der vielen Stopps, die sie seitdem schon gemacht haben und Katzen sonst ja überhaupt nicht fürs Reisen geeignet sind, ist sie geblieben und folgt den beiden oft auf Schritt und Tritt. Im Gegensatz zum Leben auf der Straße bekommt sie nun regelmäßig Futter und kann im klimatisierten Anhänger liegen! Auf Letzteres sind wir manchmal ein bisschen neidisch bei den Temperaturen hier… Und dann gibt es noch Julie, die bei dem Holländer Sybren mit im Palapa wohnt. Eine Katze, die permanent auf der Hut ist und ständig die Gegend nach irgendwelchen Tieren abscannt. Ihr würden definitiv ein paar feste Wände zum zwischendurch mal Ausruhen ganz gut tun. Deswegen kommt sie wohl auch gern bei uns vorbei, um auf der Couch ein Nickerchen zu machen. Sehr niedlich! 

 

 

Nach einigen Wochen hier im Camp ziehen die beiden anderen deutschen Paare aus, um nach Hause zurückzukehren. Sie wären gern geblieben, wenn es nicht dort gerade wichtige Dinge zu regeln gäbe. Zum Abschied verpasse ich Gaby noch einen neuen Haarschnitt und schwupps, ist auf einmal die Hälfte unserer kleinen Campergemeinde vom Hof gefahren. Jetzt sieht es richtig einsam und verlassen vor unserer „Terrasse“ aus. Dafür haben wir jetzt allerdings freie Sicht auf einen ganz tollen, alten Baum, der unzählige andere Gewächse auf sich beherbergt, einen weiteren kleinen Baum inklusive.

 

Es fängt an zu regnen. Das unterstützt zum einem die merkwürdig verlassene Stimmung, zum anderen ist der Regen aber auch die reinste Erholung nach so vielen Wochen purer Hitze. Es ist sogar vergleichsweise so kühl (25 statt 43 °C), dass wir uns freiwillig ins Auto auf die Couch begeben. Bei der Gelegenheit sehen wir uns den Reiseblog von Gaby und Nikolai an. Ein bisschen wenigstens vom Reisen träumen, solange wir hier gerade nicht wegkommen…

 

 

Die einen gehen, die anderen kommen, denn am nächsten Morgen werden wir von einer ganzen Affenbande geweckt. Sie klettern direkt über unseren Fahrzeugen in den Bäumen herum und kommen sogar in die kleinen Bäume mitten auf dem Platz herunter. Unsere Nachbarn und wir schnappen uns unsere Stühle und schauen beim Frühstück futtern „Monkey TV“. Sie bleiben bis abends in unserer Gesellschaft, manchmal mit gerade mal 2 m Abstand. Zum Greifen nah! Sie bieten ein klasse Entertainment-Programm: Ringkämpfe des Nachwuchses, Kletteraktionen, Blätter und Beeren fressen, schlafen, brüllen. Aber bei einem Ganztagesbesuch bleibt natürlich das eine oder andere kleine und große Geschäft nicht aus. Jumpy hat Glück, er wurde nicht getroffen, aber um ihn herum liegt nun ordentlich Affenpups, der uns abends noch als laues Lüftchen um die Nase weht…

 

 

Rhonda und Larry haben ein ungewöhnliches Hobby: Sie jagen und fangen gerne Echsen in allen Größen zwischen Mini-Gecko und Leguan, machen Fotos zusammen, beobachten sie eine Weile und lassen sie dann wieder laufen. Selbst im Pool sind die Tiere nicht vor den beiden sicher. Eigentlich sind die Echsen doch echt schnell. Ich frage mich, wie die beiden es schaffen, immer wieder welche zu fangen… Um sich in Sicherheit zu bringen, müssen sie sich schon besondere Plätze wie Bäume oder hohe Büsche hinterm Teich aussuchen.

 

 

Wir sind nun mittlerweile schon so lange hier, dass wir doch tatsächlich das Vergnügen haben, eine Kolibri-Mama vom Nestbau übers Eierlegen und Brüten bis zum Füttern des Nachwuchses und dessen erste Flugrunden zu begleiten. Sie hat sich den ungewöhnlichen Platz zwischen ein paar Pflanzen direkt neben dem Campingplatz-Mülleimer ausgesucht, so dass wir tagtäglich mehrfach an ihr vorbei kommen, um das Geschehen zu verfolgen. Sie lässt sich auch überhaupt nicht von uns beirren. Verrückt! Die Kolibri-Mama hat selbst gerade mal etwa die Größe und Dicke eines Zeigefingers. Dementsprechend winzig sind die beiden Eier. Vielleicht gerade mal einen Zentimeter groß. Trotzdem ist es ein Rätsel, wie die in einen so kleinen Kolibri passen.

 

Nach 15 Tagen ab und zu mal brüten (ist ja heiß genug, sie muss nicht ständig da sein…), schlüpfen dann tatsächlich zwei dunkle, nackte, winzige Kolibri-Babys!!! Wir dürfen der Mama beim Füttern zusehen und den Kleinen beim Wachsen und wie sie immer mehr Federn und einen längeren Schnabel bekommen. Irgendwann machen sie das erste Mal die Augen auf. Eines Morgens allerdings liegt eines der beiden auf dem Boden, die Ameisen sind schon dran. Hat das Geschwister-Baby es rausgekickt oder ist es selbst aus dem Nest gefallen? Keine Ahnung. Death in Paradise… so'n Scheiß! Das andere macht sich dementsprechend richtig breit im Nest und legt von einem Tag auf den anderen richtig zu.

 

Eines Morgens - gute 3 Wochen nach dem Schlüpfen - komme ich am Nest vorbei, das Kleine räkelt sich. Ich will gerade nochmal meine Kamera holen, aber als ich wiederkomme, ist schon kein kleiner Kolibri mehr da. Er hat seine erste Flugstunde! Zum Glück sehen wir ihn noch auf einem Ast hoch über dem Nest sitzen. Die Mama kommt nochmal zum Nest, guckt verdattert, dass keiner mehr Zuhause ist, füttert das Kleine nochmal im Geäst und weg ist es. Alles Gute, kleiner Kolibri!!! Hm, der Nachwuchs darf schon fliegen, nur wir immer noch nicht… Wenn wir jetzt am Nest vorbei kommen, ist es ein bisschen komisch, dass nach etwa 7 Wochen dort keine kleine Vogelfamilie mehr wohnt…

 

 

Wenn ich mir die Tiere hier vor Ort ansehe, frage ich mich oft, wer hier eigentlich wen beobachtet. Sie bekommen alle ganz genau mit, wo man ist und beäugen einen neugierig bis skeptisch. Nur die Ameisen rennen ganz stumpf über einen rüber, finden das dann mittendrin total blöde, dass wir so im Weg rumsitzen und beißen dann bockig zu. Au!!! Ameisenbisse sind nerviger als Mückenstiche und brennen richtig. Nach so langer Zeit hier denke ich manchmal, ich hätte schon alles an hier lebenden Tieren gesehen, aber dann kommen doch noch wieder neue Arten ums Eck. Die altbekannten schauen weiterhin vorbei. Und das alles immer noch auf ein und demselben Gelände! Guckt mal!

 

 

Die Temperaturen lassen vermuten, dass wir schon mitten im Hochsommer wären, aber wir haben gerade mal Frühling. Die blühenden Bäume erinnern immer mal wieder dran.

 

 

Der Platz, wo wir stehen, nennt sich Maya Bell. Der Name ist Programm, denn tatsächlich ist das Gelände hier die Haustür zu den Maya-Pyramiden von Palenque. So nah dran und wir dürfen doch immer noch nicht rein! Wir hätten vielleicht doch die bisherige Zeit nutzen sollen, einen Tunnel zu graben… Oder um mit einer Machete hintenrum einen Weg freizukloppen… So wie der Untergrund mit mehreren regelmäßigen Abstufungen beschaffen ist, ist es sogar ziemlich deutlich, dass wir hier auf noch nicht wieder ausgegrabenen Pyramiden der alten Königsstadt wohnen und in den Hängematten schaukeln. Auf einem Lageplan der Ruinen habe ich das Grundstück von Maya Bell mal eingekreist. Das Quietschblaue darauf ist unser Swimmingpool. 

 

Wir hören das Gerücht, dass am 18. Mai die Ruinen wieder öffnen sollen. Wir feuen uns schon riesig, aber am Tag zuvor heißt es dann wieder „nee, doch nicht“. Mist. Es ist frustrierend, nichtmal einen Zeithorizont genannt zu bekommen, wann es denn nun endlich mal wieder weitergeht. Der Mexikaner an sich hat ja auch keine unendlichen Reserven, um mehr als 2 Monate auf Einkünfte zu verzichten. Corona hin oder her. Irgendwann ist dann der wirtschaftliche Schaden derer, die nicht betroffen sind, so hoch, das kann sich doch kein Land auf Dauer leisten…

 

 

Rhonda und Larry planen, Richtung USA abzureisen, die am 19. Mai die Landesgrenzen zu Mexico und Kanada für Einheimische wieder öffnen wollen. Bevor sie losfahren, nutzen wir nochmal die Gelegenheit für ein Lagerfeuer (bei 39 °C…), Spieleabende, gemeinsames Essen und Margaritas. Und dann packen sie Gypsy ein und verlassen tatsächlich am 20. Mai den Platz und wir stehen nur noch ganz alleine in unserem Dschungelcamp. Sind wir jetzt dementsprechend Dschungelking und -queen? Haben wir jetzt was gewonnen?

 

 

Wir verlegen unser Frühstück nun an den Pool. Hier ist es deutlich mückenfreier und wir haben morgens nochmal eine andere Aussicht. Hier harren wir nun der Dinge und da immer noch nicht klar ist, wie es in diesem Land nun wegen Corona weitergeht, wissen wir immer noch nicht so richtig, was wir nun tun sollen, wenn nichts auf hat. Dieser Platz hier war wirklich für eine lange Zeit ganz toll, aber es ist auch langsam gut und wir möchten auch mal wieder unsere Pläne verfolgen. Aber es bleibt uns nichts anderes übrig, als weiter zu warten, bis irgendjemand mal was entscheidet und das dann hoffentlich auch kommuniziert. Das ist mittlerweile extrem frustrierend! Wir hatten ja auch noch immer darauf gehofft, dass Kolumbien die Grenzen wenigstens im Juli öffnet. Aber Anfang Juni lesen wir dann, dass dies erst für September geplant ist. Und andere Länder, die wir als Alternative auf der Liste hatten, machen es auch nicht anders. Da ist man nun stolzer Besitzer eines Reisepasses, der uns sonst erlaubt, in alle Länder der Welt einzureisen und jetzt sind global die Grenzen dicht. Das alles zieht echt Energie und macht reisemüde, ohne dass wir gerade auf Reisen wären. 

 

Aber aus jedem Mist kann man ja auch was lernen und wir wären bei offenen Grenzen im Juni oder Juli wahrscheinlich doch wieder unseren Zeitplänen und den Jahreszeiten hinterhergejagt, um sie doch noch irgendwie einzuhalten. Und damit wieder viel zu schnell gereist, was wir ja eigentlich nicht mehr wollten und geglaubt hatten, schon gelernt zu haben. So können wir die Idee, die Länder in optimalen Reisezeiten zu sehen, ad acta legen. Damit ist nun Zeit wirklich egal und wir haben keinen Grund mehr zu hetzen. Den Wink mit dem Zaunpfahl haben wir scheinbar nochmal gebraucht. So können wir deutlich zufriedener mit der Situation umgehen. Ich suche mir nun dafür Kolibris als spezielle Fotoherausforderung aus, um mich zu beschäftigen. Man muss sie eher zufällig überraschen, ansonsten ist es fast unmöglich, sie in ihrem schnellen Flug zu erwischen. Und die Katze Julie kommt uns häufiger besuchen, jetzt wo Gypsy nicht mehr da ist. Katzen sind ja auch immer ein prima Unterhaltungsprogramm!

 

 

Rhonda und Larry haben uns noch die Luftmatratzen-Eistüte und den Volleyball hiergelassen. Wir müssen uns jetzt also auch ohne die beiden ein bisschen „pool time fun“ ausdenken.

 

@ Rhonda and Larry: You’re right! You can’t look tough carrying the floaty thing! ;-) And pool time fun is not the same without you guys!

 

 

Es ist schon eine Spur von Erleichterung zu spüren, als im Supermarkt die Regale für Nicht-Lebensmittel wieder freigegeben sind, die zur Ansteckungsverminderung gesperrt waren. Auch wenn das für unseren Einkauf gar keinen Unterschied macht, macht sich das Gefühl breit, dass es mit diesen ersten Lockerungen endlich wieder vorwärts geht.

 

Was dann wiederum den Aufenthalt hier anstrengend macht, ist der nun einsetzende Regen. Erst finden wir die Abkühlung ganz schön und können uns nach etwas mehr als einem halben Jahr außerhalb Hamburgs auch wieder über das Nass vom Himmel und dicke Wolken freuen. Bei eimerweise Regen im Pool zu schwimmen sieht auch ganz toll aus, wie quasi Millionen von Tropfen in Augenhöhe aufs Wasser trommeln. Aber dann hört es tagelang gar nicht auf zu pladdern. Und es kommt so viel runter, dass ganze Gegenden überschwemmt werden. Wie wir hören, ist das gar nicht die sonst jetzt einsetzende Regenzeit, sondern ein Sturmtief, das vom Pazifik herüberzieht, was wohl ungewöhnlich ist. Die dadurch entstehende Luftfeuchtigkeit ist so hoch, dass es wirklich unerträglich wird. Moskitos kommen nun in Heerscharen aus allen Ecken, um uns auszunuckeln, so dass man sich kaum draussen aufhalten will. Wir sind doch keine Blutbar!!! Im Camper ist es bei 40 Grad und der Schwüle aber auch nicht auszuhalten. Dazu kommt, dass die Feuchtigkeit so ins Auto, die Polster und die Klamotten zieht, dass wir sie kaum wieder rausbekommen und Sorge haben, dass uns alles wegschimmelt. Ein paar kleine Sachen müssen wir danach tatsächlich deswegen wegschmeißen. Zum Essen und auch sonst finden wir zwischenzeitlich Zuflucht im Restaurant, das zwar zu allen Seiten offen ist, aber die Ventilatoren wenigstens den Großteil der Mücken verscheuchen. Da die Außenwelt hier noch nicht reindarf, essen wir an um uns herum leeren Tischen unser selbst gekochtes Essen. Auch irgendwie seltsam.

 

 

Wir finden die extrem drückende Schwüle und die ungewohnte Masse an Mücken unerträglich und wollen nun Richtung Karibikküste fahren. Auch wenn dort die Strände noch geschlossen haben, haben wir dort Bilder von einem Campground gesehen, der direkt am Meer liegt und wir also trotzdem baden können. Und wir hoffen auf eine kühlende Meeresbrise! Erst müssen wir aber bei Jumpy noch die überall auf dem Lack bappenden, extrem klebrigen Früchte abschrubben, die der Baum über uns abgeworfen hat. Und das bei der Luftfeuchtigkeit und den Blutsaugern. Ich weiß gar nicht, ob ich schon jemals so geschwitzt habe…!

 

Ein letztes Mal schwingen wir nochmal in der Hängematte über den Pyramidenresten, ein letztes Mal gehen wir die Wege auf dem Gelände ab, im Dunkeln begleitet durch hunderte von Glitzerspinnen, die im Stirnlampenlicht funkeln. Und dann ist es soweit: Nach 2 1/2 Monaten im Dschungel verlassen wir am 10. Juni - ohne die Pyramiden nebenan gesehen zu haben… - doch tatsächlich den Hof. Wir fahren das letzte Mal die Nationalparkstraße raus und kommen nicht wie sonst nach einem Einkauf wieder zurück. Das ist hier schon fast ein richtiges Zuhause geworden, wo wir wie selbstverständlich nach dem wöchentlichen Supermarktausflug wieder hingefahren sind und auch jeden Winkel dort kennen. Dieser Ort wird uns durch diese Erlebnisse und die besondere Situation mit Corona immer in Erinnerung bleiben. In sehr guter Erinnerung, denn auch wenn die letzten 1-2 Wochen nervig waren, war die restliche Zeit wunderbar und wir haben einen schönen, unterhaltsamen Platz erwischt, um die Pandemie auszusitzen. Und wir haben die Situation mit anderen tollen Leuten geteilt, mit denen wir hoffentlich noch lange in Verbindung bleiben!

 

@ Rhonda: Still haven’t seen the boa constrictor! Sorry! Can’t send you a picture ;-( 

 

 

Als wir dann aus der Stadt fahren und tatsächlich mal wieder unbekannte Straßen sehen, stellt sich ein richtiges Gefühl von Freiheit ein. Wir wählen „On the road again“ an und drehen die Musik ordentlich auf.

Obwohl es angeblich große Kontrollstationen zwischen den Bundesstaaten Chiapas und Tabasco gibt, sehen wir davon überhaupt nichts und bekommen nicht mal mit, dass wir überhaupt nach Tabasco fahren. Auch in Campeche ist nix los, hier spielen ein paar Polizisten an einem Posten lieber vergnügt Karten als sich um uns oder andere zu kümmern. Richtig so! Ich würde gern mal ein Foto von so einer Situation machen, aber da sie mit sowas wiederum keinen Spaß verstehen und meine Kamera ja auch kein unauffälliges Exemplar ist, lass ich es lieber. 

 

Die Landschaft sieht hier ganz anders aus. Die Bäume sind deutlich kleiner als im Dschungel und es gibt zwischenzeitlich viel weites Grasland. Fast ein bisschen wie in Norddeutschland, wenn nicht hin und wieder Palmen rumstehen würden. Dieses Flachland ist vom Sturmtief Cristobal letztens noch ordentlich überschwemmt und die Kühe stehen bedröppelt knietief im Wasser. Einen kurzen Übernachtunsstopp machen wir an der Nationalparkstraße nach Calakmul (auch eine große, natürlich noch geschlossene Pyramidenanlage) und kommen nun in den Staat Quintana Roo. Hier kontrolliert uns tatsächlich dann das Militär und will auch hinten in den Camper sehen. Die Jungs sind gut drauf und als ich denen sage „aber hier, ne: sana distancia, por favor“, müssen sie schmunzeln und setzen sich aber brav den Mundschutz auf und lugen auch nur von der Tür aus in unser Wohnzimmer. Die sind wohl einfach mal wieder neugierig. Um in die Stadt Chetumal zu gelangen, muss man auch erst an einer Gesundheitskontrolle vorbei, die uns eigentlich gar nicht in der Stadt haben will. Ist alles geschlossen, sagen sie. Jaja, wissen wir doch und ein paar Argumente später werden wir doch durchgelassen. Hat wohl keiner Lust, weiter zu diskutieren. 

 

 

Wir gehen bei einem Walmart einkaufen, der mich richtig in Verzückung geraten lässt: Erstens, es müffelt nicht nach Schimmel wie beim Chedraui in Palenque!!! Und diese Produktauswahl!!! Wir müssen uns richtig zurückhalten, nicht zuviel zu shoppen, da wir ja hier nun auch keinen Bar-Kühlschrank mehr mitbenutzen können. Blauschimmel-Käse, Spinat-Salat, schöne Saucen, frisches statt halb vergammeltes Gemüse!!! Endlich gibt’s mal wieder lecker Essen!!! Da hab ja sogar ich mal Lust zum Kochen! 

 

Wir fahren beim Campground in Calderitas vor und hoffen auf Einlass, denn bei mehrfachen Anrufen vorher hat keiner abgenommen und ob sie wegen Corona neue Reisende zulassen, wissen wir auch nicht. Aber das Tor geht auf und als wir einen Schreiben von Maya Bell vorweisen können, dass wir dort so lange in Quarantäne standen, dürfen wir reinkommen. Puh, Glück gehabt! Dasselbe gilt für die Gesundheitskontrolle am Stadteingang, denn wir erfahren, dass es in den letzten Wochen wohl kein Reisender geschafft hat, hier durchzukommen. Schön, wenn mal wieder was läuft!

 

Es ist noch ein Paar aus Österreich mit ihrem Defender hier und wir freuen uns, dass wir mal wieder Gesellschaft haben. Unser neues Zuhause für die nächsten Wochen sieht ganz und gar karibisch aus: Viele Palmen, Palapas, quietschbunte Cabañas, Mäuerchen zum Wasser hin, auf denen Kanonenrohre an alte Piratenzeiten erinnern und endlich mal Wind! In den Pool fällt nicht den ganzen Tag so viel Dschungel rein, so dass er ganz sauber ist und das Bad ist komplett tierfrei. Mücken gibt’s nur in den ersten Tage welche, ansonsten haben wir meist Ruhe vor diesen Viechern. Aber es tummeln sich hier leider auch sonst nicht so viele Tiere wie in Palenque, was ein bisschen schade ist, aber wir sind dennoch sehr happy mit unserem neuen Vorgarten. Statt tierische Geräuschkulisse haben wir hier mal wieder Wellenplätschern. Auch schön! Immerhin gibt es u.a. jede Menge grauer Leguane, zitronenfarbene Vögel und Eichhörnchen, die sich gegenseitig auf die Palmen jagen. 

 

 

Nun können wir tatsächlich mal unsere Hängematten zwischen Palmen aufhängen. Aber: „Beware of falling coconuts“! Jedes Mal beim Schaukeln bitten wir die Kokosnüsse, doch wann anders runterzufallen als genau in dem Moment. Bisher halten sie sich dran. Von Corona verschont, aber am Ende von ner Kokosnuss erschlagen… wär ja blöd!

 

 

Unser 6-Monats-Visum läuft aus. Was wir anfänglich nur für die lange Dauer so angefragt haben, um weniger Zeitdruck im Hinterkopf zu haben, reicht nun nichtmal mehr aus, weil Corona Stillstand fordert. Was willste machen?! Also zum Immigrationsbüro hier in Chetumal, da die Stadt direkt an der Grenze zu Belize liegt. Erst sollen wir in der Folgewoche wiederkommen, wenn das Visum auch tatsächlich ausgelaufen ist. Vorsorglich ist hier nicht. Wir bekommen noch die Info, welche Dokumente wir alles mitbringen sollen. Ok, einiges mehr als beim Erstvisum, aber bitte sehr. Beim nächsten Mal werden dann noch mehr Zettel angefragt, die wir dann natürlich nicht dabei haben. Zwei Tage später - nach einer Stunde Wartezeit - ist der Ausdruck des Antrags wohl nicht korrekt, da es drei verschiedene Varianten des Dokuments gibt mit dem Titel „Aufenthaltsverlängerung aus humanitären Gründen“, das wegen Corona auszuwählen ist. Schon wieder vergeblich dort wegfahren… Ich flipp aus! Beim vierten Mal und erneuter Warteschlange gefällt es den Beamten dann doch endlich mal, was wir ihnen mitbringen und akzeptieren die Anträge. Juhu! Wie man sich so freuen kann, dass man endlich ein paar Zettel über einen Tresen schieben darf?! Jetzt braucht es wohl noch 3 Wochen Bearbeitungszeit… Das mit dem Erstvisum hat an der Grenze zur Baja 10 Minuten gedauert und das Kärtchen, das wir dann demnächst bekommen, sieht kein Stück anders aus. Und wegen Corona sind sie ja auch kulant und erteilen angeblich ohne weiteres Anschlussvisa. Warum davon dann so’n lang dauerndes Heiopei gemacht wird, können wir nicht nachvollziehen, aber sowas gehört manchmal wohl auch zum Reisen…

 

Bis das mit der Visumserstellung durch ist, bleiben wir noch in Calderitas. Wir bekommen noch weitere Verstärkung auf dem Platz, denn ein weiteres deutsches Paar mit VW-Bulli braucht auch einen Tapetenwechsel. Sie haben die letzten Wochen und Monate in Guatemala verbracht (Mexico hatte ja nie seine Außengrenzen geschlossen, daher konnten sie herkommen) und es wurde ihnen dort 

auch zu schwül. Lena hat ein paar Tage später Geburtstag und da nun auch das Restaurant nebenan seit wenigen Tagen wieder öffnen darf, gehen wir zu Feier des Tages nach Monaten endlich mal wieder auswärts essen. Die Tische haben Mindestabstand, Temperatur wird am Eingang gecheckt und bis man an seinem Platz ist, ist Mundschutz zu tragen. Die Bedienung trägt die ganze Zeit welchen, was immer noch ein bisschen seltsam wirkt in dem Zusammenhang, aber trotzdem: Endlich mal wieder mehr Normalität!

 

Da es nicht so viel gibt, was man hier machen könnte, denken wir uns Spielchen aus wie Kokosnuss-Boccia, Arschbomben-Contests oder nach Regenfällen durch riesige Pfützen mit dem Auto pflügen, damit das Wasser so hoch wie möglich spritzt. Zusammen grillen oder nochmal ins Restaurant gehen, steht auch mit auf dem Programm. Bei einem älteren belgischen Paar, dass hier auch noch Zuflucht aus der monatelangen Guatemala-Quarantäne gefunden hat, gibt’s viele fernweherzeugende Fotos aus Südamerika zu gucken. Und statt Katzen kommt uns hier ein Leguan - mittlerweile Frühstücksechse genannt - täglich auf Armlänge Entfernung besuchen, der darauf hofft, dass durch den Wind mal wieder Brot- oder Cracker-Krümel vom Tisch geweht werden. Immer nur Fliegen und Ameisen essen ist ja auch langweilig!

 

 

Die Zeit geht ins Land und wir können dann und wann beobachten, wie Sonnenuntergänge, Mondaufgänge, Wolken und Wetter ein paar Highlights an den Himmel zaubern. Mal sieht das Meer wie in Kupfer getaucht aus, weil die Wolken darüber so rot angestrahlt werden. Mal haben wir eine Teil-Mondfinsternis. Der Mond ist an dem Tag sogar klar zu sehen, aber zur besagten Uhrzeit ist kein dunklerer Anteil zu erkennen. Kommt eben nix weg in Mexico, nicht mal nen Stück vom Mond.

 

 

Es gibt Zeiten, an denen ich sehr am Hadern bin mit unserem Stillstand hier und dann gibt es Momente, an denen ich denke, dass wir das doch ganz schön gut haben. Wir können die Corona-Zeit bisher sowohl in Palenque mit den vielen Tieren als auch hier in der Karibik verbringen! So einen Ort malen sich ja die meisten aus, wenn sie sich irgendwohin träumen. Dieses Plätzchen ist friedlich und es ist doch wirklich paradiesisch hier. Wir haben nicht notwendigerweise Zeitdruck und wir nagen auch nicht am Hungertuch. Aber dann bricht immer mal wieder der Freiheitsdrang durch und ich will weiter. Jetzt stehen wir doch insgesamt so lange in der Gegend rum wie wir bisher auf dieser Reise unterwegs waren. Das ist absurd…!!! Dafür haben wir jetzt nicht zu Hause alles aufgegeben… Und dass man Menschen begegnen kann, ist ja sonst auch ein wichtiger Bestandteil einer solchen Tour. Statt dessen ist jetzt Distanz gefragt, statt aufeinander zuzugehen. Und der Mundschutz, durch den man das Spanisch nur noch als Genuschel versteht, ist auch nicht hilfreich dabei. Aber die Mexikaner nehmen’s wirklich mit Humor. Deren gute Laune lassen die sich nicht durch so’n dussliges Virus vermiesen. Nicht mal, als hier in der Stadt die Corona-Ampel für ein paar Wochen wieder von orange auf rot umspringt und wieder mehr Restriktionen herrschen. Immer noch alle fröhlich am Winken und am Lachen. Toll! Dieses Auf und Ab, wie ich das hier alles finden soll, ändert sich manchmal täglich, manchmal stündlich. Aber am Ende - und einiges an Mentaltraining später - find ich das grade gar nicht mehr schlimm. Ich meine - hallo - wir sind in der Karibik!!! Ich genieß das jetzt einfach mal!

 

 

Die Visumserteilung zieht sich ewig hin. Ok, wahrscheinlich zum Teil selbst verschuldetet, weil wir in einer E-Mail mit den Zugangsdaten zum Status einen weiteren Link nicht angeklickt hatten. Da lag aber ein weiteres, auszufüllendes Formular hinter. Da sollte man bei Bedarf seine Daten aktualiseren, stand da. Seit Antragsstellung hat sich an unseren Daten ja nunmal nichts geändert, daher haben wir nicht drauf geklickt. Klare Ansagen wären hier hilfreicher gewesen. Wir wissen nun nicht, ob wir damit wieder auf den letzten Platz der Bearbeitungsreihe gerutscht sind, als wir’s dann doch mal bemerkt und ausgefüllt hatten. Wir könnten während der Zeit des Wartens auch durchaus schon weiterreisen, das Land ist riesig, es gibt viel zu sehen. Aber wir bekommen immer noch widersprüchliche Infos bezüglich der Strände, ob sie nun trotz Corona geöffnet sind oder nicht. Und die Pyramiden sind auch noch zu. Und da wir wegen eines kleinen Visum-Zettelchens nicht extra wieder hunderte Kilometer zurück fahren wollen, wenn wir uns dann schon sonstwo auf der Yucatan-Halbinsel rumtreiben würden, bleiben wir eben doch so lange hier, bis wir es haben. Ist ja sowieso noch immer alles an Grenzen dicht. Ist also im Prinzip völlig wurscht, wie lange wir hier in der Gegend rumstehen. 

 

Irgendwann krieg ich dann aber doch mal die Motten, es muss doch einfach mal weitergehen!!! Nach 8 Wochen Bearbeitungszeit ist dann wenigstens eine kleine Änderung im Online-Status zu erkennen. Aber dann wieder tagelang nichts. 2-3 Tage lang bin ich nur noch frustriert. Corona zerschießt einem schon alle Reisepläne und dann bremst einen dieser Scheißzettel noch zusätzlich so aus. Ich fühl mich wie eingesperrt, weil ich nicht so darf wie ich will. Da bricht man nunmal auf, um pure Freiheit zu erleben und dann werden einem doch wieder ganz schön viele Grenzen gesetzt! Allerdings jedoch hat es uns zu diesen Zeiten in ein Land verschlagen, das im Gegensatz zu allen anderen lateinamerikanischen und vielen anderen Ländern keine rigorose Ausgangssperre verhängt. Und wir müssen keinen Antrag stellen, ob wir einmal die Woche einkaufen dürfen, wie es in z.B. Kolumbien oder Chile derzeit läuft. Alle sind entspannt, Panikmache findet woanders statt. Alles gut, alles moderat. Wir können uns wirklich glücklich schätzen, dass wir hier und nicht anderdswo sind. Aber wochenlang nichts von seinem Immigrationsbüro zu hören und nichts daran ändern zu können, macht mich wahnsinnig! 

 

An einem Tag möchte ich alles hinschmeissen, die Reise abbrechen, wird ja auch in darauffolgenden Ländern - wenn wir irgendwann mal reindürfen - mit Corona oder dessen Folgen möglicherweise nicht einfacher. Alles hat irgendwie ein Fragezeichen. Man weiß ja beim Unterwegssein sowieso nicht, was am nächsten Tag ist. Was normalerweise auch den Reiz ausmacht, wird in dieser Situation machmal zur Überforderung. Jetzt weiß man einfach so gar nichts mehr, was wird. Ich hab keine Lust mehr! Aber wo will ich denn hin? Unser Zuhause ist verkauft und sonstwo wieder was aufbauen, wo wir doch grade mal 2 Länder von unserer geplanten Weltreise gesehen haben, kann gleichzeitig auch nicht die Lösung sein... Ratlosigkeit…


 

Zusätzlich hören wir von einer Amerikanerin, die neu auf unserem Platz eingetrudelt ist, dass der oberste Chef des Immigrationsbüros wegen Korruption verhaftet wurde und daher einen Monat lang der ganze Laden lahm gelegt wurde. Ach was! Aber wenigstens nehmen sie wohl jetzt wieder ihre Arbeit auf. Schön, dass der Präsident Mexicos wohl ordentlich durchgreifen will, um Korruption zu bekämpfen. Leider mit schlechtem Timing! Wir beschließen, am nächsten Morgen zur Behörde zu fahren, auch wenn wir erwarten, nach Ewigkeiten Warterei sowieso keine qualifizierte Auskunft über die weitere Dauer zu bekommen. Aber irgendwas muss man ja einfach mal tun! 

Als der Wecker mich pünktlich um 7 Uhr aus dem Schlaf reißt, weiß ich auch wieder, warum ich dieses Ding am liebsten nie wieder hören möchte. Aber heute haben wir ja eine Mission. Obwohl wir noch vor der Öffnungszeit dort sind, haben sich schon 11 Leute vor uns eingefunden. Ui, das kann dauern, wir haben ja hier leider schon ein paar Mal Erfahrungen sammeln dürfen. Aber es gibt gutes Entertainment durch Amerikaner vor und hinter uns, die uns schonmal begeistert auf das Strandörtchen Mahahual einstimmen. „Best place ever“ und so… Naja guck, doch Strände zugänglich, was! Wir hatten den Ort sowieso schon auf dem Schirm und sind auf jeden Fall wieder reisemotiviert von so viel Enthusiasmus unserer Mitwartenden. Schneller als gedacht, sind wir dann doch mal dran. Bevor wir noch irgendeine Frage stellen können, schnappt sich der Beamte die Pässe, kramt in Akten rum und schiebt uns plötzlich unsere Visa - gültig bis Weihnachten - über den Tisch! Hä? Der Online-Status gestern Abend war doch noch unverändert!? Egal, wir unterschreiben brav und nix wie weg. Bevor sich das hier noch irgendwer anders überlegt. Wieder draußen, können wir’s noch gar nicht fassen und freuen uns wie die Schneekönige! Wollte ich gestern noch alles hinschmeißen? Blödsinn! Endlich geht’s wieder los! Jippie!!!

 

 

Die letzten 2 Wochen war es hier recht windstill. So zieht nachts gern mal der Qualm von privat verbranntem Plastikmüll ins Auto. Das ist ganz eklig und es gibt kein Entrinnen. Jegliches Flehen um eine erlösende Meeresbrise bleibt unerhört. Die Einheimischen scheint’s nicht zu stören oder sie tragen’s mit stoischer Gelassenheit. Giftige Gase, Umweltverschmutzung… hä? Fremdworte… Auch das ist ein Grund, warum es schön ist, endlich weiterzufahren. Am Abfahrtsmorgen stellen wir noch fest, dass Jumpy von einer Palme zum Ritter der Kokosnuss geschlagen wurde. Denn die Motorhaube trägt jetzt genau in der Mitte eine kleine Delle. Wie die schweren Nüsse, die eigentlich sonst nur senkrecht runterplumpsen, einen solchen Bogen geschafft haben, ist mir ein Rätsel, aber unser Auto heißt nun offiziell „Sir Jolly Jumper“! 

 

Auch wenn wir nicht freiwillig in Palenque und auch hier in Calderitas so lange gestanden haben, hätten wir dennoch nach unseren bisherigen Reiseerfahrungen keine besseren Plätze dafür aussuchen können. Von Palenque sind wir etwas wehmütig weggefahren, der Ort war intensiv und magisch. Hier in Calderitas fällt es uns leicht, nach 2 1/2 Monaten am 26.08. den Ort zu verlassen, da er einfach zu nehmen war, wunderschön zwar, aber auf die Dauer doch auch etwas langweilig, weil das Auge nicht so viel Ablenkung hatte wie im Dschungel.

 

 

Auf geht’s nach BACALAR zu einer Lagune, die von Wasser aus unterirdischen Cenoten (Kalkstein-Wasserhöhlen) gespeist wird. Daher ist sie normalerweise karibisch türkis gefärbt. Durch die ungewöhnlich vielen Regenfälle im Inland haben Flüsse aber viel Schlamm und Pestizide dorthin gespült, so dass es schon seit Monaten bräunlich-grün ist und einige fürs Ökosystem wichtige Tiere wie Schnecken abgestorben sind. Das gab’s so noch nie. Schon wieder ein menschengemachtes Problem! 

Wir spazieren ein bisschen durch den Ort und treffen auf einen Einheimischen, der den Maya angehört. Er heißt uns aufs Herzlichste Willkommen, ist gerührt, dass wir extra aus Deutschland hierher kommen, um uns sein Land anzusehen und bringt uns ein paar Worte in seiner uralten Sprache bei. Solche kleinen Momente machen doch das Reisen aus und wir sind gleich wieder begeistert, unterwegs zu sein!

 

Aus Palenque kennen wir noch einen hier in Bacalar wohnenden Mexikaner namens Juan, den wir spontan kontaktieren, ob er Zeit und Lust hat, uns zu treffen. Tatsächlich lädt er uns sofort in sein Haus ein und wir plaudern auf seiner Terrasse. Und zwar auf Deutsch, denn seine Tocher hat in Österreich studiert, lebt heute dort und hat ihm die Sprache extrem gut beigebracht. Wären wir früher aus Calderitas weggefahren, hätten wir ihn gar nicht antreffen können, denn er war beruflich in anderen Gegenden unterwegs und ist nur für eine kurze Zeitspanne hier. Glück gehabt! 

 

Wir quartieren uns für zwei Tage direkt an der Lagune ein. Wieder blicken wir zu allen drei Seiten des Zelts auf Kokospalmen, herrlich! Und das Wasser des Sees ist nur einen Meter entfernt. Mal wieder eine andere Kulisse zu haben, mal wieder vorangekommen zu sein, macht eine Menge aus und die Stimmung ist gut!

 

 

Juan erzählt uns von einem Freund, der in BECÁN direkt neben den dortigen Maya-Pyramiden wohnt. Wir sollen ihn unbedingt besuchen, denn hinter seinem Hof führt ein inoffzieller Trampelpfad direkt zu den Ruinen, obwohl sie ja noch geschlossen sind. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen! Auch wenn das bedeutet, dass wir die gekommene Route wieder ein ganzes Stück zurück fahren, wir also gefühlt wieder einen Rückschritt machen, statt vorwärts zu kommen. Aber es gibt ja dennoch etwas Neues zu sehen, also was soll’s. Wir übernachten bei der Schwester von Memo auf dem Hinterhof und treffen ihn dann auch nachmittags an. Er ist gerade dabei, sich ein Temazcal vorzubereiten (Sauna nach Maya-Art - auch wenn ich mich frage, warum man bei der Hitze und Schwüle noch eine Extra-Sauna braucht…). Auch er gibt uns großzügig zu verstehen, dass sein Haus doch auch unser Haus sei. Überall diese Gastfreundschaft und Selbstverständlichkeit, das Eigene mit völlig Fremden zu teilen! Immer wieder irre!

 

Er zeigt uns den Weg zu den Ruinen und wenn doch ein Wächter auftauchen sollte, sollen wir auf ihn verweisen, dass wir Freunde von ihm seien und er gleich nachkomme. Das wäre dann schon ok. Er selbst verschwindet in der Sauna und wir im Dschungel, noch ein bisschen skeptisch, ob nicht doch gleich jemand ums Eck kommt und uns verscheucht. Aber wir sind ganz allein, die zahlreichen Pyramiden auf dem großen Gelände liegen ganz still da. Sie wirken ganz unbeeindruckt von unserem kleinen Reinschleich-Abenteuer. Warum auch, wo sie doch schon weit über 2000 Jahre Geschichte miterlebt haben. Aber wir freuen uns diebisch, uns wieder wie kleine Entdecker fühlen zu dürfen. Die Sonne ist kurz davor unterzugehen, verschwindet vorher noch hinter ein paar Wolken. Und irgendwas darüber erzeugt Farben wie in einem Ölfilm. Wir erklettern einige der 600 v. Chr. errichteten Bauwerke und ich wundere mich mal wieder, warum so kleine Maya so hohe Stufen gebaut haben. Uffz! Nach monatelangem Hängemattenschaukeln sind unsere Muskeln nur noch Pudding und schieben den Körper nur widerwillig in die Höhe. Das gibt Muskelkater!!! Aber die Aussicht über den Dschungel und die anderen Pyramiden belohnt die Mühe. Fast schon im Dunkeln und bei Mondschein gibt es noch finstere Gänge mit Fledermäusen zu erkunden und Pfade durch den Dschungel zu weiteren Bauten. Viele kleine, graue Frösche hüpfen noch rechtzeitig aus dem Weg. Bevor es aber ganz duster wird, machen wir uns mit müden Beinen auf den Rückweg zu unserem Camper. Ein schönes Abenteuer war das!

 

 

Der nächste Tag ist wieder so warm, die Luft so schwül, die Beine sind feddich. Wir schaffen es bloß, in unseren Campingstühlen rumzudümpeln und nichts zu tun. Memos Schwester drückt uns auf einmal ein Bildband über Bremen in die Hand, da sie einmal eine Rundtour durch Deutschland gemacht hat beim Besuch ihrer in Bautzen studierenden Tochter. Da sitzen wir also in einem mexikanischen Garten und sehen uns Fotos von Bremen an. Ganz merkwürdig. Aus unserer Sicht wär’s andersrum normaler. 

 

 

Am frühen Abend erbarmt sich ein laues Lüftchen, die Temperatur etwas zu drosseln und die Sonne hört auf zu bollern. Es regt sich wieder ein Fünkchen Energie und wir ergreifen die Chance, noch einmal die Pyramiden völlig ohne andere Gäste zu sehen. Wer weiß, ob so etwas je wieder möglich sein würde. Vom höchsten Tempel aus beobachten wir, wie die Sonne sich langsam über den Dschungel senkt und in ein warmes Licht taucht. Ein kühlender Wind weht, die Steine haben noch in angenehmer Weise die Wärme des Tages gespeichert. Ein paar Spinnenaffen schwingen sich durch die Bäume, ein paar Vögel sind zu hören. Ansonsten stört kein Gespräch anderer Besucher oder sonst irgendwas die Atmosphäre. Sehr friedlich! Gestern waren wir eher im Entdeckermodus, heute können wir das Ganze mehr genießen. Ganz beseelt gehen wir auch heute wieder im Dunkeln zurück. Die Glühwürmchen leuchten uns den Weg.

 

 

Froh, diesen Umweg auf uns genommen zu haben, kehren wir nun wieder nach BACALAR zurück. Kaum auf dem Platz wie beim letzten Mal angekommen, werden wir schon wieder auf Deutsch begrüßt. In diesem Land mal Spanisch anzuwenden, ist echt nicht so einfach… Ein mexikanisches Ehepaar verbringt das Wochenende hier. Veronica hat deutsche Eltern und Sergio hat über sie auch schon einige Sprachbrocken gelernt. Ihre Söhne leben nun beide in Hamburg, daher haben sie unser Kennzeichen auch gleich zuordnen können. Sie sind beide begeistert von Jumpy und leiten Fotos von ihm gleich an ihren Nachbarn in Playa del Carmen weiter. Der bringt wohl Reisende mit solcher Art Fahrzeugen gern bei sich und seiner Familie unter. Zum Austausch von Geschichten, zum Basteln am Fahrzeug und zum internationalen Zusammensein. Wir können’s kaum glauben, wie im Moment ein Rädchen grade ins andere greift, ohne dass wir irgendetwas dazu tun. Wir plaudern noch ein bisschen mit den beiden, bis es zu mückig wird und versprechen uns ein baldiges Wiedersehen in Playa del Carmen. 

 

 

Vorher wollen wir aber nach MAHAHUAL, dem Ort am Meer, von dem wir nun schon von so vielen gehört haben. Diesmal aber bitte mit Sand und türkisem Wasser! Et voilà und bitte sehr! Zunächst muss man aber die Straße entlang, die hinter dem Ort durchführt und dort ist mehr Schrebbel zu sehen als man sich ausmalt, wenn man von allen hört, dass es hier so paradiesisch zugehen soll. Am Strand angekommen, Vorstellung und Realität erstmal sortiert, ist es dann soweit: Jumpy im weißen Korallensand, quietschtürkises Meer direkt vor der Haustür, wiegende Kokospalmen im Wind. Hängematte raus, Füße hoch, genießen! Abends gibt es von nebenan großartig zubereitetes Ceviche mit einem ordentlichen Humpen von 500 g Garnelen pro Nase. Wir bekommen noch ein Windlicht auf den Tisch und den Vollmond angeknipst. Als Musik plätschert das Meer. Isses zu fassen?!?

 

 

Der Ort sammelt Leute um sich herum, für die das Wort „gechillt“ wahrscheinlich erfunden wurde, manche unterstreichen das noch mit gerauchtem Gras. Der Geruch wabert immer mal wieder um die Nase. Braucht man das, wo einen die Kulisse doch so schön einlullt? Ab und zu bekommen wir Besuch von Leuten, die Jumpy bewundern oder die das Auto tatsächlich wiedererkennen, weil sie es bei der Immigrations-Behörde schon haben stehen sehen. Wir mögen die Interaktion mit immer wieder anderen Leuten. Das hat in Calderitas ein bisschen gefehlt.

Wir schlendern am Malécon entlang und verstehen jetzt auch mehr von der Begeisterung über den Ort. Hier ist es wirklich schön gemacht. Hübsche Bars, Schaukeln im seichten Wasser, Hotels, die die karibische Thematik schön aufnehmen. Es ist auch trotz Corona lebendig genug. Fast nur noch Einheimische machen jetzt hier Urlaub. Für diejenigen, die vom Tourismus leben, mag es zu wenig an Gästen sein, für meine Vorstellungen reicht es vollkommen aus. Ich mag Orte nicht, die proppevoll sind, wenn es darum geht, eine Landschaft, Stadt oder Szenerie zu genießen. Ich kann damit einfach nichts anfangen. 

 

Wir leihen uns ein Kajak aus und paddeln damit zum Riff, wo es an einigen Stellen noch ein paar schöne Korallengärten mit verschiedenen Arten zu erschnorcheln gibt. Alle in lila-ocker plus die ebenso gefärbten Fische dazu. Bei den Mustern der Fische ist alles vertreten: gestreift, bunt umrandet, die Schuppen unterschiedlich eingefärbt und der Papageifisch hat einfach mal in alle Farbtöpfe plus Metallic-Lack gegriffen. Ein paar gnibbeln an den Korallen, einige sieht man erst, wenn man ein bisschen länger über ihren Verstecken schwebt. Angst vor uns scheint aber keiner von ihnen zu haben. Eine Meeresschildkröte sagt auch kurz „Guten Tag“. Es ist zwar nicht das Non-Plus-Ultra-Riff, da man ihm leider auch schon viel Zerstörung und zu warmes Wasser ansieht, aber Torben ist begeistert, da er das erste Mal tatsächlich die Unterwasserwelt erkundet. Merkwürdig! Fährt er doch jahrelang als Käpt’n übers Meer und hat nie mal darunter geguckt…

 

 

Ein Tropensturm, der sich als Hurricane entpuppen könnte, macht sich seit Tagen genau in unsere Richtung auf. Dank Internet und Wetter-App können wir das Ganze gut verfolgen. Der Vorteil, den wir mit unserem mobilen Zuhause haben, ist, dass wir uns bei so einem konzentrierten Sturm schnell mit 2-3 Stunden Fahrt komplett aus der Zone entfernen können. Für Anwohner mit Haus und Hof sieht das schon ein bisschen anders aus. „Solange die Fischer ihre Boote nicht reinholen, gibt’s keinen Grund zur Aufregung“, meint unser Gastgeber Miguel und schaukelt weiter grinsend in seiner Hängematte. Vorsorglich zeigen wir den aufziehenden Wolken nochmal unser Logo mit dem Wort „Sunreiser“. Dazu passt kein Hurricane und wegfahren steht auch noch nicht auf dem Programm. Was soll ich sagen: Der große Wirbel dreht ab, zieht statt dessen auf Belize zu und bleibt auch nur ein Tropensturm. Und auch das Wort klingt schlimmer als es ist. Das haben wir schon in Louisiana erfahren, als medial ein Riesenbohei um einen Tropensturm gemacht wurde und dann kam einfach nur ein typisch Hamburger Regen runter. Das konnte uns ja nun überhaupt nicht schocken. Aber jedes Jahr aufs Neue in der Hurricane-Season um sein Hab und Gut fürchten zu müssen, wär nicht mein Ding, zumal es von Jahr zu Jahr auch immer mehr werden. 

 

 

Richtung Süden des Örtchens fahren wir über eine Piste, die rechts und links z.T. hübsch angelegt ist. Nur die immer wieder auftauchenden Abschnitte, die voll mit stinkendem Seegras sind, trüben die Aussicht und die gute Luft. Schon wieder zuviel Dünger im Wasser, der das Wachstum der Algen fördert… Auch das wird wohl jährlich mehr und ist in den warmen Monaten kaum zu bändigen. Aber unser Zielort sieht sehr schön karibisch aus und wir können nochmal eine lange Schnorcheltour unternehmen und mit dem Auto im Sand stehen.

 

 

Die Küste ein Stück nördlich von Mahahual macht den Anschein, als wären wir mitten in der Bretagne. Wir sitzen einfach im Fahrerhaus, gucken auf die Landschaft und hören französische Chansons. Prompt macht sich wieder Sehnsucht nach lecker Essen breit, aber es gibt bloß Reste… Schluchz! Nachts kommen auf der Strecke ein paar wenige Autos angefahren, machen mitten auf der Piste die Lichter aus und parken dort. Es bleibt alles dunkel. Kommen die jetzt zu uns rum? Wollen die irgendwas? Oder was machen die da überhaupt? Das ist mir jetzt aber ziemlich suspekt, zumal wir das erste Mal seit fast einem halben Jahr mal wieder frei in der Gegend rumstehen. Sind ja auch nichts mehr gewöhnt… Normalerweise würden sich da jetzt ein paar Jugendliche treffen und lautstark Mariachi-Musik anschmeißen. Hier rührt sich aber überhaupt nichts und irgendwann fahren sie auch wieder ab. Umso besser!

 

 

Heute geht’s weiter nach TULUM. Juan aus Bacalar hat dort gerade mit ein paar Freunden den Auftrag, eine wunderschöne Strandbar mit Cabañas nach 6 Monaten Corona-Pause wieder auf Vordermann zu bringen und hat uns dorthin eingeladen, auch zum Übernachten. Die Nationalparkstraße dorthin hat leider eine für Jumpy unüberwindbare Höhenbeschränkung und die andere Seite ist gesperrt wegen noch geschlossener Pyramide. Es ist auch wirklich nichts zu machen bei dem Wachmann. Ein Campground in der Nähe hat vor zwei Wochen dicht gemacht und der einzig weitere verlangt das Vierfache des Normalpreises! Maulig stellen wir uns beim großen Supermarkt auf den Parkplatz, was in normalen Zeiten wohl 10-15 Overlander gleichzeitig tun. Im Moment sind es aber nur 4, alles Argentinier auf Panamericana-Tour, die uns herzlich begrüßen. Der Charme eines Chedraui-Parkplatzes lässt zu wünschen übrig, aber der Unterhaltungswert mit unseren Nachbarn ist prima. Und es ist gratis! Es findet auch jede Menge „Jumpy-Tourismus" statt. Die Leute fahren zum Teil extra eine Runde um das Fahrzeug herum und sobald sie uns erspähen, werden wir danach ausgefragt. Wir sollten wirklich nochmal einen Hut aufstellen und Fotogeld verlangen… Die Stadt aber scheint uns weniger zu mögen, nichtmal der Versuch, Wasser zu tanken gelingt, es ist alles dicht, ebenso die Wäschereien oder sie verlangen Wucherpreise. Ok, es ist Sonntag, aber das hält den Rest des Landes ja auch nicht davon ab, solche Art Läden offen zu haben. Dafür gibt es bei der Gurkerei durch die kleinen Straßen eine bunte Menge an Streetart zu sehen.

 

 

Zu Fuß zur Strandbar & zu Juan ist bei 6 km in der Mittagshitze keine Option, Taxen wollen einheitlich ernsthaft das 20-fache, was wir sonst hierzulande dafür zahlen würden. Keine Verhandlung möglich, sie zeigen uns alle dieselbe Tariftabelle. Das ist hier in Tulum so, Touristenort eben… Wir kommen nicht drumrum und sitzen zerknirscht im Taxi zu deutschen Preisen. Grade denke ich noch über eine schnelle Abreise aus der Stadt nach, weil ich die ganze Abzocke für alles hier nicht leiden kann, da kommen wir ans Ziel und hahaha, landen mitten im Paradies, schon wieder! Der Frühstücksbereich für die Cabañas liegt unter Bäumen, mit darüber schwingenden Bastlampen. Von dort aus führt ein verschlungener Pfad durchs Grüne und kommt an einem herrlichen, weißen Strand aus puderweichem Korallensand heraus. Weißer und weicher als wir es je irgendwo erlebt haben! Ist das schöööön!!!! Direkt daneben die Strandbar mit Schaukeln statt Barhockern, drumherum Palmen vor absurd türkisem Wasser. Hier mal gänzlich ohne Seegras, das mit großem Aufwand weggeräumt wird. Wir freuen uns, Juan wiederzusehen.

 

Trotz Corona trägt am Strand keiner mehr eine Maske, als hätt’s die Krankheit nie gegeben. Da Sonntag ist, werden es mehr und mehr Gäste, die ihren Wochenendausflug hierher verlegen. Und da kommt schonmal eine ganz schöne Ansammlung zusammen. So viel zum Thema, die Strände wären geschlossen… Ich möchte gar nicht wissen, was hier los ist, wenn alles normal wäre und Hochbetrieb. Wie Sardinen in der Büchse wär das doch. Nicht meine Welt! Vor 15 Jahren war ich schonmal hier und es war kaum jemand da, weil Hurricane Katrina (der New Orleans so sehr erwischt hat, aber auch Cancun hier an der Küste) kurz vorher die Gäste verscheucht hat und jetzt ist es Corona. Dieses Virus hat auch seine positiven Seiten…

 

Die hiesige Pyramide, die jeder Immobilienmakler bewerben würde mit „Lage, Lage, Lage!!!“ direkt auf den Klippen zum Meer, ist - wenn schon geschlossen - wenigstens vom Strand aus gut zu sehen. Ha! Schon wieder einen Tempel erspäht trotz Restriktionen! Irgendwas geht ja doch immer.

 

 

Angeblich sollen sie ja morgen wieder geöffnet werden. Das Spielchen kennen wir ja schon aus Palenque. Das glaub ich erst, wenn ich drin bin… Aber neugierig bin ich schon. Und - Überraschung - sie sind noch zu, Kette vor, dicht! Da steht ein Wachmann davor und bietet uns an, uns für den doppelten Preis reinzulassen. Aber nä, Korruption unterstützen wir nicht! Aber das versteh einer?! Sie dürften ganz offiziell die Pyramiden öffnen, tun es aber nicht. Was haben sie denn davon??? So viele Besucher werden ja auch nicht einfach mit den Leuten hier sprechen, wenn alles verriegelt ist und einen Sonderpreis zahlen, als dass sich das irgendwie lohnen könnte. Jedenfalls nervt es! Was für ein Hin und Her. Was ist wahr, was ist offiziell? Die nochmalige Strandaussicht muss also auch heute reichen.

 

 

Nach vier Übernachtungen auf dem Supermarktparkplatz reicht’s dann auch mal, die Route führt uns weiter in Richtung Norden der Halbinsel. Wir schaffen es natürlich mal wieder, in der größten Mittagshitze - die Sonne knallt direkt von oben und bietet keinen Schatten - an den Strandabschnitt XCACEL zu kommen. Hier kriechen in der entsprechenden Saison hunderte von Meeresschildkröten an den Strand, um ihre Eier abzulegen. Derzeit ist aber nichts dergleichen los. Über einen weißsandigen Pfad durch einen schönen Wald kommen wir zur Bucht und haben wiedermal die Gelegenheit, im badewannenwarmen Wasser zu schnorcheln und den Fischen zuzusehen. Hier sind einige Korallenbereiche noch ganz gut in Schuss, einige sind komplett hin und an anderen Stellen wächst wieder etwas nach. Kaum, dass sich aber nur ein kleines bisschen die Möglichkeit bietet, sich zu verstecken, ist auch schon Leben um die Korallen. Es braucht scheinbar nicht viel, damit sich Fische wieder einigermaßen wohlfühlen. Aber ein intaktes Riff sieht definitiv ganz anders aus. Was sich dort alles tummelt, ist mit diesem hier nicht zu vergleichen. Trotzdem macht es Spaß, schwimmend dieser anderen Welt zuzusehen.

 

 

 

Nachdem aus zwei anderen Standortüberlegungen nichts geworden ist, erinnern wir uns an unseren Kontakt, den wir von Veronica und Sergio in Bacalar bekommen haben: Martin aus PLAYA DEL CARMEN. Er hatte uns zuvor schon angerufen und angeboten, vorbeizukommen. Als wir uns spontan melden, sind wir gleich herzlich Willkommen, werden abgeholt und stehen kurz darauf in einer noblen Gegend vor einem wunderschönen Haus, das auch „Schöner Wohnen“ entsprungen sein könnte. Wir sollen uns wie Zuhause fühlen, hier ist die Dusche, dort der Kühlschrank, wenn wir was bräuchten, alles da, gar kein Problem. Alle Vier sind ganz herzlich und aufgeschlossen zu uns. Die gemeinsamen Gespräche sind sehr bereichernd. Wie selbstverständlich und als gehörten wir fest zur Familie werden wir tagtäglich fantastisch bekocht, nehmen überhaupt an allen Mahlzeiten teil und dürfen alles mitbenutzen. Es ist alles ein bisschen surreal und es haut uns mal wieder um, was für eine unfassbare Gastfreundschaft uns entgegengebracht wird, obwohl wir uns vorher überhaupt nicht kannten. Diese Tür hat uns wiedermal Jumpy geöffnet! Wir schaffen es ein paar Mal, uns auch fürs Kochen einzuteilen, um auch mal was für die anderen zu tun, aber viel mehr lassen sie uns gar nicht machen.

 

Nach einer Woche habe ich schon ein schlechtes Gewissen, aber Martin redet beruhigend auf mich ein, dass das schon ok und alles ausgeglichen sei. Das würde ich dann nach einer Weile des Unterwegsseins schon noch verstehen. Wenn einem so etwas auf so einer langen Reise immer mal wieder passiert, hat man eben das Gefühl, die ganze Welt als Freund zu haben. Und dies ersetzt eben die doch schon recht medial beeinflusste Wahrnehmung, dass die Welt ein unsicherer Ort sei. Allein dafür lohnt es sich schon, weiter unterwegs zu sein. Solche Erlebnisse und Erkenntnisse hätten wir Zuhause nicht. Und es ist uns mittlerweile auch ein Bedürfnis geworden, später auch Reisende bei uns aufzunehmen und auch etwas von der erlebten Gastfreundschaft zurückzugeben.

 

Der Ort Playa del Carmen hat sich extrem verändert. Was früher noch ein niedliches Örtchen mit kleinen, bunten, karibischen Bars war, hat sich leider zu einer touristischen Stadt ohne Charme entwickelt. Ein paar alte Relikte sind noch zu finden, aber ansonsten lassen wir’s damit gut sein. Statt dessen gibt es so auch noch hier und da immer was an Jumpy zu puzzeln, so dass schwuppdiwupp auf einmal zwei Wochen um sind. Wir müssen dann doch dringend mal wieder los, um die tolle Gastfreundschaft hier nicht überzustrapazieren. Ist aber auch was einlullend hier… Wir bekommen sogar noch ein Carepaket aus Wein und selbstgebackenem Vollkornbrot (!!!!) mit auf den Weg! Wir werden jede Scheibe genießen und auf Euch anstoßen!

 

@ die Costas: Lasst Euch drücken für Eure großartige Gastfreundschaft!!! Wir haben uns wie Zuhause bei Euch gefühlt. Wahnsinn, mit was für einer Selbstverständlichkeit Ihr uns aufgenommen und mit Euch leben lassen habt! Wann immer Ihr auf Reisen seid und wir dann schon irgendwo wieder sesshaft geworden sein sollten, Ihr seid immer herzlich eingeladen! 

 

@ Paula: All the best for „Kneela“! 

 

 

Corona hat uns doch tatsächlich für die Gegend Quintana Roo geholfen. Wären wir deswegen nicht so lange in Palenque geblieben, hätten wir Juan als Gast dort nicht kennen gelernt. Hätten wir in Calderitas nicht so lange warten müssen, hätten wir ihn in Bacalar verpasst, wo er sich nur für ein paar Tage aufgehalten hat. Dann hätten wir ihn nicht weiter kennen gelernt und wir hätten den Tipp mit den Pyramiden von Becán nicht bekommen. Wir wären auf dem Rückweg nicht auf Veronica und Sergio getroffen, die uns wiederum an die Costas „weitergereicht“ haben. Und in der Zeit in Tulum haben wir uns durch Juans Einladungen mehr als nur als ein normaler Gast gefühlt! So haben wir diesen sonst durch starken Tourismus geprägten Bundesstaat tatsächlich statt nur extrem oberflächlich eben nun auf sehr persönlicher Ebene erfahren. Großartig, wenn einfach Stück für Stück alles zusammen passt!!! Auch wenn man vorher keine Ahnung hat, wofür sogar lange Wartezeiten mal gut sein können.

 

@ Juan: Vielen Dank nochmal für alles!!! Du hast uns eine Menge ermöglicht und es ist toll, Dich und Deine Freunde kennen gelernt zu haben!!!

 

So, da sind wir nun wieder unterwegs - auf wenig Quadratmetern im Vergleich zu einem großen Haus - heute mit dem Ziel VALLADOLID. Es soll schön dort sein, aber viel habe ich mich damit vorher noch nicht beschäftigt und so bin ich sehr positiv überrascht, als uns ein (natürlich) kunterbuntes Kolonialstädtchen anlacht. Geparkt und geschlafen wird heute mal wieder ganz rustikal auf einem öffentlichen Parkplatz, das ist also gleich schonmal geklärt. Es fällt auf, dass hier der Zocalo - der zentrale Platz - noch gesperrt ist, denn im Staat Yucatan gelten doch noch mehr Restriktionen als in Quintana Roo. Die Corona-Ampel leuchtet zwar in beiden gelb, aber in diesem finden sich eben weniger geldbringende Besucher ein, daher ist alles etwas strikter. Ich erwarte weiterhin nicht viel, aber die Straßenzüge mit den bunten Häusern ziehen sich doch recht weit hinaus und wir finden ein paar schöne Gegenden zum Bummeln und für ein Päuschen im Café. 

 

 

Nachdem die Nacht auf dem Parkplatz doch nicht so der Knaller ist, der Schlaf ist unruhig und der Verkehr setzt bereits um 6 h morgens lautstark ein, verabschieden wir uns doch schon heute in Richtung Las Coloradas. Hier staksen ganzjährig viele Flamingos durch rosafarbene Seen. Wir sind allerdings nicht sicher, ob wir dort auch hin dürfen, da das direkte Nachbardorf derzeit nur mit Reservierungen für überteuerte Bootstouren und dergleichen angefahren werden darf. Und die andere Seite dieser Region ist momentan nur für Einheimische zugänglich, um dem Virus Einhalt zu gebieten. Warum ausgerechnet Las Coloradas ohne Beschränkungen auskommen soll, ist dann doch etwas zweifelhaft. Und Informationen sind in diesem Land ja bekanntlich zu hinterfragen. Aber es heißt, wir dürften hin. Die schmale Landstraße zieht sich ewig, obwohl es nur 100 km sind. Immer wieder bremsen Dörfer mit den nervigen Topez aus und wir werden mehrfach von der Polizei angehalten. Diesmal sogar überall mit Führerscheinkontrolle, aber dennoch immer freundlich. Durch einen Ort dürfen wir sogar gar nicht durch und werden auf die Umgehungsstraße geschickt. Die handhaben das aber noch ganz schön streng alles hier für Phase gelb… Ganz zu Beginn der Pandemie durfte sogar kein Bewohner aus dem Bundesstaat ausreisen und wenn doch, dann nur unter Strafzahlungen wieder einreisen. Dafür geht’s ja jetzt schon wieder. Die Dörfer sind z.T. so klein und wirken so am Ende der Welt gelegen, dass es merkwürdig ist, wenn die Leute auch hier Masken tragen. Irrwitzig, wie so’n dusseliges Virus von China aus selbst in solche Ecken gelangt…

 

Wehe, wenn ich jetzt am Ortseingang zu LAS COLORADAS wieder zurückgeschickt werde und die Kaugummistrecke gleich nochmal fahren muss! Aber nee, ein einfacher Hinweis der Polizisten auf den zu tragenden Mundschutz langt aus und schon stehen wir neben einem leuchtend pinken See! Darüber lacht ein blauer Himmel mit Dekowölkchen, die sich rosa im Wasser spiegeln. Hier wird Salz gewonnen, und was aussieht, als hätte jemand etliche Eimer Farbe ins Wasser gekippt, wird von roten Mikroalgen verursacht, die wiederum von Krebstierchen gefressen werden. Das ist die Lieblingsspeise der Flamingos, deren Gefieder sich durch das Betacarotin von grau im Babyalter später in rosa bis orange-rot verwandelt. Wenn die Tiere sich putzen, sieht es aus, als würden sie Brezeln mit ihrem Hals formen oder solchen Leuten, die Figuren aus langen Luftballons zurechtdrehen, wahre Konkurrenz machen wollen. Ob die wohl auch Nackenschmerzen bekommen können? Und können sie den überhaupt dehnen, wenn er schon so überbeweglich ist? Leider keine Antwort… Sie gucken mich aus ihren kleinen gelben Augen bloß verständnislos an. Irgendwie erinnern sie mich an Paulchen Panther…

 

@ Matthias: Guck mal, Pinguine!

 

 

Auf einer Sandpiste zwischen türkisem Meer und rosa Seen gelangen wir zu einem türkisen Salzsee. Die Szenerie ließe sich noch viel besser genießen, wenn nicht schon tagsüber so viele Mücken und sehr bissige Ameisen einem das Leben außerhalb des Autos ziemlich unangenehm machen würden. Einmal in den See getaucht, dann ins Meer und dann kühl abgeduscht macht das auch nicht gerade Laune, sich den Frischezustand wieder mit Antimückenzeug zu verseuchen. Dementsprechend flitze und hample ich zum Fotografieren des grandiosen Sonnenuntergangs - auch hier hat jemand in alle Farbtöpfe gegriffen - wie blöde durch die Gegend, um nicht ausgesaugt zu werden. Gut, dass sonst niemand hier ist. Das würde für andere sicher ein ziemlich beklopptes Bild abgeben…

 

 

Der kleine Ort Las Coloradas selbst wirkt ebenfalls, als hätte man eine rosarote Brille auf: rosa angemalte Palmenstämme, rosa Bordsteine, rosa Autos, rosa Spielzeug, rosa Wände… La vie en rose! 

 

 

Nachmittags wird’s hingegen sehr gelb, denn wir kommen nach IZAMAL, dessen Häuser für einen Papstbesuch einmal alle in derselben sonnigen Farbe gestrichen wurden wie der Konvent. Das Städtchen wirkt dadurch eigentlich sehr fröhlich, obwohl so überhaupt nichts los ist auf den Straßen. Faszinierend ist, dass sie eine Pyramide direkt mitten im Ort haben, von der man einen guten Blick auf das Zentrum hat.

 

Wir kommen auf dem überwucherten „Garten“ zwischen Unkraut und für lange Zeit geparkten Autos bei einer Hacienda unter, die von einem Österreicher geführt wird. Schon wieder Deutsch sprechen, ich fass es nicht. Ich würd doch echt gern mal mehr Spanisch üben, obwohl gleichzeitig verwunderlich ist, wie sich dennoch diese Sprache bei mir verbessert. Muss irgendwie über den Äther diffundieren… Wir sind die allerersten Gäste seit 6 Monaten, aber das, was er von seinen Erfahrungen erzählt, wirkt eher so, als würden Gäste eher nur unangenehme Arbeit machen. Warum baut man dann eine Hacienda als Hotel um und bietet Overlandern einen Übernachtungsplatz, wenn man darauf nicht so wirklich Lust zu haben scheint…? Wie dem auch sei, wir können hier etliche Schmetterlinge, Vögel und abends eine ganze Glühwürmchenparade beobachten. Die Tiere freuen sich alle offensichtlich, dass grade mal nicht alles kurzgeschoren ist, soviel wie hier herumschwirrt. 

 

 

Den Boden der gesamten Yucatan-Halbinsel kann man sich quasi komplett als Schweizer Käse vorstellen. Regenwasser, Erdfälle und der dinosauriervernichtende Meteorit haben geschätzte 10.000 Karststeinhöhlen geschaffen, die von unterirdischem, glasklaren Süßwasser gespeist werden. Große Teile dieser Cenoten sind sogar miteinander verbunden. Die Maya haben diese als Zugang zur Unterwelt angesehen und viele Opferrituale zum Wohle ihrer Götter dort abgehalten. Nicht selten findet man da unten Skelette und Opferbeigaben. Wir probieren jedenfalls auch noch ein paar dieser Cenoten bei HOMUN aus. Die erste erreichen wir an einem Sonntag, da sind natürlich auch viele Mexikaner unterwegs. Dazu noch bei einer Cenote, die komplett unterirdisch ist. Nicht optimal in Corona-Zeiten, wenn die Frischluftzufuhr begrenzt ist. Die anderen, halboffenen Höhlen, die wir uns eigentlich ausgesucht hatten, sind wiederum geschlossen. Sprich: die offenen sind zu und die geschlossenen sind geöffnet… Das versteh einer!?! Hier ist uns jedenfalls zuviel los und übernachten daher nur auf dem Parkplatz im Grünen. Dieser Platz ist hoffentlich weit genug vom Dorf entfernt, um nachts keinen Hundelärm zu hören. Funktioniert, aber eine Ziege ist dort angebunden und hat ne Glocke um den Hals. Irgendwas ist ja immer…

 

Am nächsten Morgen beginnt wieder die Arbeitswoche und wir haben die beiden Cenoten, die wir uns dann ausgucken, ganz für uns alleine. Man kann wirklich bis zum Grund sehen, so klar ist das Wasser. Wer weiß, vielleicht liegen in ein paar dunklen Ecken da unten ja auch noch ein paar Totenschädel herum…? Richtig kalt ist es auch noch. Bei der schweißtreibenden Hitze ist das aber sehr willkommen! Dort zu schwimmen, hat eine tolle Atmosphäre, weil der Wasserspiegel deutlich tiefer unter der Erdoberfläche liegt und man von unten aus die Lianen und andere Pflanzen die Höhlenwände hinunterwachsen sehen kann. Wenn die Sonne auf das Wasser trifft, scheinen die Strahlenbündel bis zum Boden durch und man kann mit den Fingern damit spielen. Und es kitzelt! Das ist nicht die Sonne, sondern zig Hornhautguppies, die sich über ihr Frühstück freuen, indem sie uns überall anknabbern.

 

 

Von Schüppchen befreit und schön erfrischt (obwohl… eigentlich sind wir schon nach dem Umziehen gleich wieder verschwitzt…) besuchen wir eine alte Hacienda. Hier in der Gegend wurden früher Agaven angebaut, um aus den Pflanzenfasern Sisal zu produzieren. In den herrschaftlichen Anwesen wurde sowohl gewohnt als auch das Sisal verarbeitet. Später wurde das Material durch Kunstfasern verdrängt und viele Haciendas wurden vom Dschungel zurückerobert. So auch diese hier. Ganze Bäume wachsen schon darin. Sieht toll aus!

 

 

Danach ist es nicht mehr weit nach MERIDA. Wir quartieren uns im Garten eines Kolonialstil-Hostels ein. Und wer sitzt da schon im Pool? Der Weihnachtsmann! Die gütige Mimik, der weiße Rauschebart, die mollige Statur…, ganz eindeutig! Der hier kommt auch aus dem hohen Norden, aber dem Mexicos. Fehlt nur noch der rote Mantel, dafür trägt er aber eine rote Badehose. Nur fair bei 36 °C! Er sitzt mit zwei „Engeln“ im Wasser. Die eine heißt Maria (wie passend!), die andere Samanta. Letztere stammt aus Italien und wir unterhalten uns prächtig. Sie ist viel als „Couchsurferin“ unterwegs, was wohl selbst in diesen Zeiten erstaunlich problemlos funktioniert. 

 

Die tagsüber allgegenwärtigen Hundegebelltiraden lassen Schlimmes für die Nacht befürchten. Aber tatsächlich halten sie doch wirklich mal die Klappe, so dass wir ganz wunderbar schlafen können. Und zwar so gut, dass wir doch glatt beschließen, noch ein paar Tage länger hier zu bleiben.

 

Der optische Eindruck, den wir von der Stadt haben, lässt sich am besten in Eingängen und Pforten, in Fenstern und Türen beschreiben. Der sonstige Eindruck ist eher, als könne man sich hier nicht entscheiden: Zwecks Corona-Vorbeugung sind samstags bis dienstags die Restaurants zu, aber die Handwerksgeschäfte offen. Mittwochs bis Freitags dann wieder umgekehrt. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Wir bekommen noch einen Eiskaffee gekauft, obwohl Dienstag ist, dürfen uns aber nicht an die Tische setzen, das ginge erst morgen wieder. Scheinbar ist dann in Cafés Corona weniger ansteckend, dafür aber wieder umso mehr beim Hängemattenverkäufer, oder so… 

 

 

Unser Weihnachtsmann hier hat sogar schon überall seine Deko hinterlassen. Überall in den Geschäften gibt’s schon entsprechendes Gedöns und Süßkram. Ich hatte ja darauf gehofft, dass - wie in den USA - erst noch eine Weile Aufhübschmaterial für Halloween und v.a. den Dia de los Muertos zu sehen wäre, aber das findet doch erstaunlich untergeordnet statt. Wie bei uns Zuhause geht’s hier schon Ende September mit dem Konsumterror für Weihnachten los. Ich hab ja nichts dagegen, an den Feiertagen gemütlich mit der Familie zusammen zu sitzen, aber 3-4 Monate vorher schon das Thema um Augen und Ohren gehauen zu bekommen, finde ich ganz fürchterlich! 

 

Wir schnappen uns die Fahrräder des Hostels und radeln ein bisschen durch die Stadt. Das „Monumento a la Patria“, auf dem die Staatsgeschichte als Denkmal im Maya-Stil verewigt wurde, sehen wir noch bei Sonne. Eigentlich wollten wir danach das Museum über die Maya-Kultur besuchen. Museen sind ja sonst nicht so unsers, denn die Dinge und Kultur live zu erleben, ist aus unserer Sicht normalerweise interessanter. Aber heute wollten wir mal eine Ausnahme machen. Und schon regnet’s. Und nicht wie sonst die letzten Monate in der Karibik mal grade 5 Minuten alle paar Tage mal und dann ist schon wieder Feierabend (und sowas nennt sich dort Regenzeit…), sondern es pladdert sich so richtig schön norddeutsch ein. Dazu sitzen wir noch auf einem Fahrrad. Fühlt sich an wie in Oldenburg… Hier ist es nur deutlich wärmer dabei! Das Museum wäre noch ein ganzes Stück hin und fällt daher aus. Auf dem Rückweg finden wir stattdessen ein paar Tequilagläser mit einem in der Mitte eingesetzten Kaktus. Das sieht aus wie unser Logo und wir geben dann eben unser Museumsbudget für Schnapsgläser aus…

Weil der Regen nochmal schlimmer wird, finden wir Unterschlupf beim Koreaner und bekommen ganz leckeres Essen vorgesetzt. 

 

@ Muddi und Vaddi: Der Geschmack erinnert mich ein bisschen an die gern genommene Sonntag-Abend-Peking-Suppe früher bei Knoff-Hoff-Show im Bademantel ;-)

 

 

Und dann haben wir den 02. Oktober. Das bedeutet, wir sind seit genau einem Jahr unterwegs! Wahnsinn, was an Erlebnissen in ein Jahr passt, wenn man auf Reisen ist! Und selbst dann, wenn man wegen Corona oder Visumsverlängerung festsitzt. Wir begehen den Tag mit einem nochmaligen Museumsversuch. Die haben aber zu. Sei es nur heute oder derzeit generell, in Merida weiß man das ja nicht so genau. Man kann jedenfalls nicht behaupten, wir hätten es nicht versucht. Es schifft schon den ganzen Tag in Strömen und mangels Gullis sind viele Straßen überschwemmt. Juhu, nicht nur durch Pfützen fahren, sondern durch ganze untergetauchte Straßenabschnitte! Das macht Spaß! Die ganze Stadt ist triefnass.

Das ist der lustige Part. Der weniger lustige ist, dass der Garten, in dem wir parken, sich nun in eine sehr gubbelige Angelegenheit verwandelt. Das sind die Auswirkungen des Hurricane „Gamma“, der derzeit über die Yucatan-Halbinsel dreht. Hier an der Nordwestseite kommt aber nur Nässe vom Himmel, kein Wind mehr. 

 

Wir verkrümeln uns auf die Couch und lesen uns anlässlich unseres 1. Weltreise-Jahrestages die eigenen Blogtexte vor, gucken Fotos und stoßen mit Tequila aus den neuen „Sunreiser-Gläsern“ an. Was für unglaubliche Erlebnisse, Landschaften und Begegnungen! Ich will eigentlich immer wieder ein Fazit schreiben und weiß gar nicht, wo ich anfangen und aufhören soll. So viele Eindrücke, so viele Vergleiche zwischen dem, was man aus dem eigenen Land kennt und dann unterwegs mit den hiesigen Eigenheiten und Mentalitäten feststellt. Und so viele Ideen, was man aus den besuchten Ländern Positives für sich mitnehmen und lernen kann. So viel Fröhlichkeit und Freundlichkeit, die uns seit Reisebeginn entgegengebracht wurde sowie die auf das Gute gerichtete Lebenseinstellung, herrlich! Und 1 Jahr lang verschont geblieben zu sein von Menschen, die mich ungefragt und z. T. sogar ohne sie zu kennen von ihren Krankheiten oder sonstigem Leid aus dem Nichts heraus vollklagen, hat auf jeden Fall sehr heilsame Wirkung!!! Das scheint ein sehr deutsches Phänomen zu sein, das macht sonst kein Mensch!

 

Eins ist schonmal klar: Es hat sich absolut gelohnt, loszufahren und sich auf dieses Abenteuer einzulassen. Auf unser abgeschlossenes 1. und nun kommendes 2. Reisejahr! Prost und Salud!

 

 

Nach einem weiteren Spaziergang durch Straßen unter Wasser ist's dann auch mal gut mit Merida. Ich möchte gerne Haciendas sehen und nochmal in eine schöne Cenote springen. Ein Stück südlich der Stadt kann man beides gut kombinieren. Theoretisch zumindest, denn hier ist alles zu. Was ist denn jetzt nun wieder…? Der Staat fängt an zu nerven mit seinen unlogischen Sperrungen. Diesmal angeblich wegen des Hurricanes. Hä, hier kam doch bloß Regen? Egal, zu ist zu… Unverrichteter Dinge stellen wir uns vors Tor und hoffen auf morgigen Einlass… Wir versuchen statt dessen noch, bei Jumpy das Rumpeln zu orten, dass irgendwo aus Richtung der Hinterachse kommt. Im Stand nicht zu finden. Bei Fahrt nicht richtig zuzuordnen. Schwierig. Martin aus Playa del Carmen hilft uns mit einem Kontakt in Merida aus. Also doch wieder in die Stadt (Hacienda und Cenotes haben übrigens auch am nächsten Tag zu…). Die Werkstatt, die wir vermittelt bekommen, diagnostiziert unserem treuen Gefährten eine angeschlagene Buchse hinten. Macht Geräusche, aber die kann noch was. Zuviele Topez in diesem Land… Der Mechaniker schafft die Repartur heute nicht und für 1-2 Tage hat er wegen des nächsten Hurricanes „Delta“ geschlossen. Hier bei vernünftigem Netz sehen wir auch erst, dass er sich kurzfristig von einem Tropensturm zu Hurricane-Stärke 4 von 5 entwickelt hat und im Laufe der kommenden Nacht etwa bei Playa del Carmen an Land treffen soll. Wir denken an unsere neuen Freunde dort und drücken ihnen die Daumen, dass alles gut geht. 

 

 

Wir jedenfalls bewegen uns doch am besten wieder gen Süden der Halbinsel und suchen uns ein windgeschütztes Plätzchen in CAMPECHE. Die Landschaft auf dem Weg dorthin sieht genauso aus, wie als wir in denselben Staat reingefahren sind bei Start unserer Yucatan-Runde: Überschwemmtes Grasland, hier und da mit Palmen. Und die Kühe stehen immer noch bedröppelt knietief im Wasser.

 

Wir stellen uns hinter ein ehemaliges, leeres Autohaus und sitzen hier unbehelligt die windigen Nachwehen von „Gamma“ aus. Der nächste Morgen bringt uns die frohe Botschaft, dass Martin und seine Familie den dortigen Sturm gut überstanden haben. Nur ein paar Bäume in der Nachbarschaft seien umgeknickt. 

 

Wir haben die gesamte Hurricane-Season hier nun miterlebt und wirklich Glück gehabt. Entweder, er drehte doch noch ab, kam gar nicht erst an oder wir waren schon aus der Gefahrenzone raus. Aber die ganze Saison konnte man übers Internet ab Afrika über den gesamten Atlantik verfolgen, was sich da in welche Richtung und in welcher Stärke aufgebaut hat. Da kam dieses Jahr ein Rekord-Sümmchen zusammen. Aber allgemein macht man sich doch im Alltag recht wenig Gedanken darüber. Die Locals machen bei Gefahr einfach alles dicht und feiern z.T. sogar Hurricane-Parties mit Freunden und Familie im verbarrikadierten Haus, wie uns Juan erzählt hat. Nach dem Motto, sich das, was unvermeidlich ist, so nett wie möglich zu machen. Eine schöne Einstellung!

 

Was die Regenzeit angeht, standen wir auch gut da. Andere Gegenden in Mexico haben v.a. aus pazifischen Wolken wesentlich mehr Regen abbekommen als unsere paar Tropfen und dort rechtfertigt sich auch die Bezeichnung. Und dennoch nervt Regen, sobald er länger als einen Tag andauert wie in den letzten Tagen. Die Feuchtigkeit kriecht ins Auto, da die Luft hier ja generell schon so schwül ist. Alles ist klamm und wenn das Wetter so anhält, sind die Sachen manchmal kaum trocken zu bekommen. Da muss man sich schon was einfallen lassen, wenn Sonne oder Wind sich rar machen. Bisher ging’s am Ende immer noch. Wir wollen den Gammel ja schließlich aus dem Auto raushalten!

 

 

Wir ziehen innerhalb Campeches nochmal um auf einen geschützten Hotelparkplatz, auf dem tatsächlich überhaupt kein Lärm ist. Und das mitten in der Stadt. Und Wind kommt auch keiner mehr, nicht mal von „Delta“. Daher bleiben wir auch gleich 3 Tage. Zwei Mal umfallen und wir sind direkt in der kolonialen Piratenstadt. Mal nen Tag bei Regen, mal nen Tag bei Sonne. Der Typ vom Touri-Office hat leider so überhaupt keine Ahnung, was abgeht. Er meint, alles wäre zu, nicht mal auf die Stadtmauer käme man rauf. Und die Haciendas der Umgebung wären auch nur für Übernachtungsgäste geöffnet. Und auf was stehen wir dann 5 Minuten später: auf der Stadtmauer! Ätsch! Ganz offiziell und mit Eintrittskarte. Abends beim Essen gehen stellt sich ein richtig südeuropäisches Sommergefühl ein. Mehrere Restaurants haben in der Fußgängerzone ihre Tische und Stühle draußen und es herrscht richtig Leben dort. Lauschige Temperaturen dazu, herrlich! Eine bunte Lichtshow mit Darbietung der mexikanischen Geschichte und der Campeches auf der Stadtmauer gibt’s auch noch obendrauf.

 

 

Auf dem Weg zum nächsten Ziel machen wir doch noch einen Schlenker an einer Hacienda vorbei. Und siehe da, wir werden auch ohne Übernachtung eingelassen! Schon wieder ätsch! Diese sieht auch ganz prächtig aus mit den alten, verfallenen Bogengemäuern, dem verwitterten Schornstein und den ganzen Urwaldpflanzen, die sich bereits um alles ranken. Zwischen zweien dieser Ruinen leuchtet das Herrschaftsgebäude gut erhalten heraus. Es wurde zum Luxushotel umgebaut und wir genießen ein leckeres Mittagessen auf der Terrasse. Hier habe ich ein richtig herrschaftliches Gefühl. Ich kann gut nachvollziehen, wie die Patrons damals von hier aus die Bediensteten durch die Gegend kommandiert und die Geschicke der Hancienda geleitet haben. Wobei ich mich bei den Temperaturen und der Schwüle auch frage, wie man mitten im Urwald stehend darauf kommt „So, hier hacke ich mal alles ab und baue eine Sisalfabrik hin!“???

 

Die dschungeligen Pflanzen erinnern sehr an Palenque und wir schwärmen ein bisschen vor uns hin, was wir da alles gesehen und erlebt haben. À propos: was machen jetzt eigentlich die Ruinen? Kann man da wieder rein? Wer weiß…

 

 

Vorher steht jedenfalls noch ein weißer Sandstrand mit Palmenhain irgendwo im Nirgendwo am Golf von Mexico an. In der Hängematte schaukeln, Kokosnuss in der Hand, aufs Meer gucken, Palmen wedeln über einem. So kann’s gehen! Aber auch das Paradies hat seine Schattenseiten. Hier sind’s die LKW’s, die wegen lauter Topez ihre Motorbremse nutzen, die einheitlich echt bekloppt gebaut ist bei den Modellen hier. Das klingt jedes Mal, als wenn ein Hubschrauber an einem vorbeifliegen würde, die Lautstärke ist auch nicht weit davon entfernt. Das können keine Ohropax ausblenden und so werden die Nächte leider kaum erholsam. 

 

 

So, was ist nun mit Palenque? Das Internet spuckt nichts dazu aus, dafür aber unser alter Kontakt zum Hotel Maya Bell und siehe da, die Ruinen sind seit wenigen Tagen wieder geöffnet und wir können gern vorbei kommen. Juhu, nochmal nach Palenque! Ooooooh, das ist toll! Ich freu mir schon die ganze Fahrt über nen Keks, dass wir quasi wieder in unser altes „Zuhause“ zurückkehren. Unterwegs fahren wir an einer Menge Seen mit Seerosen vorbei und wieder überschwemmten Wiesen mit Kühen, die hier sogar bis zum Bauch im Wasser stehen. Vielleicht habe ich das bisher falsch interpretiert. Vielleicht ist das ja gar nicht unangenehm für die, sondern eine Art Kuh-Spa. Wassertretbecken, blutverdünnende Egel an den Beinen, hautpflegende Schlammpackungen, unter Wasser keine Mücken. Das reinste Vergnügen! Muh!

 

Beim Eisladen, an dem wir schon auf der Hintour nach Yucatan gehalten haben, werden wir doch glatt wiedererkannt und die Verkäuferin kann sich sogar noch an unsere Eissorten erinnern. Irre! Und das nach 4 Monaten! 

 

Als wir in den Ort PALENQUE reinfahren, ist es irgendwie toll, wieder am Müffel-Chedraui vorbei zu kommen, die Nationalparkstraße hinunter zu fahren und dann wieder auf den alten Platz einzubiegen. „Huhu, wir sind’s wieder!“ Wir werden gleich begrüßt und auf den neuesten Stand gebracht. Die Natur hier sagt auch gleich „hallo“, da ich beim ersten Schritt aus dem Auto mitten in einer Ameisenstraße stehe und dafür beißend bestraft werde. Oh Mann, das juckt wieder für ein paar Tage… Dafür, dass es hier in den letzten Monaten täglich abends geregnet haben soll, ist es erstaunlich wenig feucht und Mücken sind auch kaum da. Deutlich weniger als im Frühling. Nicht logisch, aber keine Einwände!!! Die Luft hier riecht warm, ein bisschen nach Dschungel, aber nicht mehr modrig, wie bei unserer Abfahrt. Die alten Laute sind wieder zu hören. Wiehernde Vögel, schnarzende Tucane, „Geräuschevögel“ (den Sound kann man nicht erklären), ein paar Brüllaffen, schön! Und dennoch ist es ruhiger als im Frühjahr. Dementsprechend haben wir wohl nicht nur einen guten Platz, sondern auch noch eine gute Jahreszeit zum Corona-Aussitzen abbekommen, was?! Es ist klasse, wieder in den alten, mit hunderten anderer Pflanzen bewachsenen Baum zu sehen und überhaupt wieder alles zu erkunden. Ist witzig, wenn man so einen Ort wie diesen hier so gut wie seine Westentasche kennt.

 

 

Für den Ruinenbesuch schmeißt uns eine Horde Affen mit lautem Gebrüll noch vor dem Weckerklingeln aus dem Bett. Sie sitzen schräg über uns, können ins Zelt reinsehen und haben beschlossen, dass es Zeit für uns ist, aufzustehen. Auch wenn wir jetzt schon einiges an Pyramiden gesehen haben, wollen wir es uns doch nicht nehmen lassen, nebenan unsere Mission vom Frühling zu Ende zu bringen. Als wir im März dort reinwollten, hatten sie ja den ersten Tag dank Corona für nun gut 6 Monate die Pforten dicht. „Damals“ haben wir immer auf Öffnung gehofft als ein Zeichen, dass mit der COVID-Krise wieder Besserung eintritt. Und es wurmte, dass wir direkt nebenan auf Ruinenteilen gewohnt haben und doch nicht reindurften.

 

Und nun ist es soweit: Wo sich die Maya vor etwa 1400 Jahren zu einer lokalen Großmacht entwickelt haben mit ihren Verehrungen der Könige, die für sie Vermittler zu den Göttern waren, ihrem Opferkult, bei dem v.a. Kriegsgefangenen das Herz bei lebendigem Leib herausgeschnitten und als Opfer für das Leben an sich dargebracht wurde, den Ballspielen, bei denen es manchmal um Vergnügen aber auch gern mal um Leben und Tod ging, stapfen wir hier nun durch die Gegend und sehen uns die Ruinen an, die feinsäuberlich wieder aus dem Dschungeldickicht freigelegt wurden. Der Großteil liegt sogar immer noch unter dem Urwald verborgen. Da sich die Öffnung noch nicht so sehr herumgesprochen hat, teilen wir diesen Ort mit nur ganz wenigen anderen. Und das verläuft sich hier.

 

@ Rhonda & Larry, Gaby & Nicolai: We finally made it to enter our good old neighborhood!!! We were thinking of all of you while strolling around the old stones. The following pictures are also for you!

 

 

Mission completed! 

 

Mexico hat es sich zum Ziel gemacht, sich in der Schokoladenherstellung wieder mehr auf eigene Ressourcen zu besinnen statt zu importieren. Schokoladentafeln sind hier bis auf wenige Ausnahmen so gut wie gar nicht zu bekommen und man muss sich meist mit Schokokeksen oder Nutella begnügen. Die Gegend um COMALCALCO will dem ein Ende bereiten, denn hier wachsen Kakaopflanzen prächtig und einige Haciendas haben sogar schon internationale Schokipreise gewonnen. Das sehen wir uns mal an und übernachten auf einer dortigen Hacienda. Der Weg dahin ist allerdings sehr nervig mit etlichen Militärkontrollen (diesmal sogar sehr förmlich statt freundlich wie sonst) mit allem Zipp und Zapp, was Papierkram angeht, dickem Stau dank Baustellen und Straßenblockaden in Villahermosa (die alles ist, nur nicht „hermosa“). Am Ende folgen noch extrem schlechte Straßen, bei denen uns eine richtige Offroadtour lieber wäre. Puh! Wenn das jetzt keine leckere Schoki als Belohnung gibt!

 

Wir bekommen die Kakaopflanzen gezeigt, an denen tatsächlich ganzjährig verschiedene Stadien der Kakaofrucht wachsen, können rohe Kakaobohnen probieren, die aussehen wie aufgeschnittene gekochte Eier oder wahlweise Rückenmark (schmecken erst wie Litschi, dann wie irgendwas Grünes, Unreifes) und dann die gerösteten Bohnen. Hier wird’s schon leckerer. Zum Schluss können wir mit den gepulten Bohnen, Zucker und Zimt unsere eigene Schokolade mahlen. Ein etwas krümeliges Ergebnis, aber so schmeckt Schokolade hier oft. Im Laden gibt’s dann aber wenigstens noch 70%ige Kakao-Tafeln, die tatsächlich schon ganz gut sind. Aber es fehlt am Ende doch noch an Schmelz… Wir nun wieder…

 

 

Es steht leider wieder ein anstrengender Fahrtag an. Schon wieder werden wir alle Nase lang kontrolliert mit Führerschein und Pässe zeigen. Ein paar Staus kommen auch noch dazu (das ist bisher ja zum Glück eine Seltenheit gewesen). Und als wir eigentlich nur kurz einkaufen wollen, stehen wir eine geschlagene halbe Stunde an der Kasse, obwohl unsere Sachen schon auf dem Band liegen, weil jemand den Supermarkt als Bank benutzt, denn hier kann man offensichtlich auch Geld einzahlen. Das macht einer mit diversen Tranchen und jedes Mal zählt die Kassiererin erst sorgsam nach, prüft danach nochmal die Echtheit der Scheine und muss dann auch Bündel für Bündel aufs Konto einzahlen. Da flippen selbst die mitanstehenden Mexikaner aus. Und ich bin erstaunt, dass ich wohl sogar mittlerweile auf Spanisch sarkastische Kommentare dazu geben kann. Die Straße danach zieht sich auch nochmal hin mit tausenden Topez und schlechtem Zustand, so dass wir nach 8 statt 4 Stunden im Dustern endlich unser Ziel CATEMACO erreichen. Uns jetzt noch zum eigentlichen Platz mitten im Dschungel durch Gubbelpisten bei Nieselwetter abzumühen, haben wir keine Energie mehr, sondern stellen uns in ein Waldstück am See. Der Ort strahlt ein merkwürdiges, grünes Licht ab. Soll ja auch Mexicos Hauptstadt der Hexen und Magier sein… Sieht aus, als würde hier jemand einen Zaubertrank kochen. Sind aber gar keine Römer hier zum Verkloppen… Aber wer weiß, wozu es gut ist. Hex, hex…

 

 

Im Morgenlicht zeigt sich, dass wir neben einem verwunschenen Baum stehen, der über und über mit anderen Pflanzen bewachsen ist und seine krakigen Arme wie Hexenkrallen Richtung Wasser ausstreckt. Ein Angler sitzt ganz friedlich darunter. Eine schöne Morgenstimmung gibt das. Während wir noch unser Müsli kauen, kommt ein Polizeiwagen zur Frühstückspause in unsere Nähe und beschallt mit einem voll aufgedrehten Lautsprecher den ganzen Ort mit dem Song „Catemaco, mi Catemaco….“ und Sambauntermalung, um dann die Einwohner zum Sauberhalten des Malecon aufzurufen. Immer und immer wieder von vorn. Für uns ist das für den Moment ganz lustig, aber die hören das den ganzen Tag! Bei uns zulande unmöglich, das würde als Psychoterror gar nicht zugelassen werden, hier aber normal. Auch der Gasmann fährt durch die Gegend mit immer gleicher Melodie und selbem Text (Stichwort Zeta Gaz…). Oder der Pozole-de-Cacao-Verkäufer oder der Wassermann („Whoooaaaap“), oder, oder… Die Polizei hier scheint’s aber doch zu nerven, denn als sie wieder abfahren, schmeißt einer wie aus Protest ne Colaflasche aus dem Fenster, gerade als der Spruch wieder beim Sauberhalten des Malecon angekommen ist… Oh Mann… Und wir haben über Tage einen neuen Ohrwurm… „Catemaco, mi Catemaco…“.

 

 

Der Ort ist für einen Bummel am Ufer entlang tatsächlich ganz nett, die Temperaturen sehr angenehm. Wir lassen es ruhig angehen, denn heute haben wir es ja nicht mehr weit.

 

 

Die Waldstrecke wäre für die Dunkelheit mit unseren gestrigen Ermüdungserscheinungen wohl nichts mehr gewesen, denn es gibt mehrere Wege zur Auswahl. Die sehr hoch hängenden kleinen Pfeile hätten wir wohl nicht mehr entdeckt und die Pfützen sind knietief. Bei Tageslicht aber überhaupt kein Problem und so stehen wir wenig später auf einer Wiese in einem Dschungelstück, das nur so vor Nässe trieft. Ich erwarte schlimmste Mückenhorden, aber ist ist fast nichts da. Und die Luftfeuchtgkeit ist trotz alledem noch ganz ok. Haben wir gar nicht erwartet. Schön ist es hier! Einen Zugang zum See gibt es auch sowie einen Pool mit Quellwasser und eine Wasserrutsche, die die mexikanischen Kinder hier vor Spaß quietschend gerne nutzen. So warm ist die Luft gar nicht mehr (nur noch 26 Grad), das ist uns schon zu kalt zum Baden. Sind ja nunmal jetzt an tropische Verhältnisse gewöhnt, da wird man schonmal schnell memmig, wenn’s kühler wird… Das Duschwasser hier ist auch eiskalt, da brauche ich doch glatt einen halben Abend, um danach wieder warm zu werden. Wie jetzt, auf einmal wieder selbst Wärme produzieren…?

 

 

Wir sind wegen der großen, roten Aras hier, die in dieser Gegend noch besonders zahlreich zu sehen sein sollen. Und prompt fliegen sie - laut krakelend wie immer - und ganz nah über unsere Köpfe hinweg. Wow, so hübsche Tiere und dann so dicht dran. Großes Kino! Es sind Frühaufsteher, denn jeden Morgen pünktlich um 7:10 h sitzen sie direkt schräg über uns in den Bäumen und geben ein paar Laute von sich.

 

 

Dieses Geschnarze ruft leider auch die Hunde des Platzes auf den Plan, die nichts besseres zu tun haben, als die Aras anzubellen. Es gäbe den ganzen Tag über so viele Vögel zum Ankeifen für sie, aber nein, die großen Papageien müssen es sein. Ein Teil macht sich natürlich genervt auf, um sich ein stilleres Plätzchen zu suchen. Von den übrig gebliebenen versuche ich Fotos zu machen, muss dabei aber auch die Hundemeute abwehren, die ständig irgendwas von mir will. Als ich den Besitzer mal anspreche, dass ich keine Hundetrainerin sein, sondern in Ruhe die Vögel fotografieren will, kommt da auch nicht viel. „Sie wollen ja nur spielen“ und die üblichen Sprüche, die Leute scheinbar gerne von sich geben, wenn sie selbst keine Lust zur Hundeerziehung haben und die Probleme lieber auf andere abwälzen. 

 

Ich scheine eine magische Wirkung auf diese Tiere zu haben, sie kommen ständig auf mich zu. Ob es Straßenhunde sind, die gerne unter Jumpy schlafen oder ob es Hunde von Bekannten früher sind, die angeblich soo ängstlich seien, sich aber schnurstracks in meine Richtung begeben, hinlegen und einschlafen zum Erstaunen von Herrchen und Frauchen oder eben solche, die gerne mit mir spielen wollen. 

 

@ Martin Rütter: Auch wenn Sie dies wohl niemals lesen werden, aber: WARUM? Was habe ich, was andere nicht haben, dass diese Tiere ständig um mich sein wollen??? Ich wüsste es nur zu gerne! Denn bei den netten Exemplaren ist das ja noch ok, aber es gibt einfach zu viele Hunde ohne Erziehung und das nervt, wenn die dann ständig bei mir ankommen, mich anspringen und sonstwas! Mit Körpersprache Kommandos geben, versteht auch nur die Hälfte, weil's ihnen ja keiner beigebracht hat. Ich habe auch keine Ahnung, wie ich damit umgehen soll…

 

Ein paar Papageien bekomme ich doch noch vor die Kamera. Aber die meisten, die hier herumfliegen, genießen wir einfach so. Gaaanz toll! Unvorstellbar, warum der Mensch auf die Idee kommt, solche (und so viele andere) Tiere in kleine Käfige oder Gehege zu sperren, wenn man hier wunderbar sehen kann, was sie für ein riesiges Gebiet zum Fliegen in Freiheit haben!?!? Ihre Freiheit kosten ebenso sehr viele „Geräuschevögel“ aus und geben ihre absurd exotischen Rufe von sich.

 

 

Ein Bummel durch den Wald lässt staunen über diese hoch gewachsenen Bäume, die zumeist von Würgefeigen umgeben sind, die ihre langen Wurzeln um die Baumstämme wickeln. Einige große, bunte Spinnen warten in ihrem Netz auf unachsame Fliegen o.ä. und ein paar Falter entspannen sich dabei, dass ihnen die Nachmittagssonne den Rücken wärmt. Ein paar Brüllaffen klettern durch die Bäume und Aras sind auch immer wieder zu hören. Gibt immer wieder was zu gucken im Dschungel!

 

 

Der Abschlussabend beschert uns noch einen idyllischen Sonnenuntergang am See. 

 

 

Die nächste Etappe führt nach VERACRUZ mangels Übernachtungsalternative in der Region. Und so sind wir dann nach ziemlich genau 8 Monaten wieder da, wo wir schon den Karneval mitgefeiert haben. Nur hatten wir gehofft, bei einem erneuten Anlauf auf diese Stadt von hier aus unser Auto nach Kolumbien zu verschiffen. Die Grenzen dort sind zwar im Moment wieder für Flugverkehr geöffnet und man kann wieder herumreisen, aber wie die Stimmung im Land ist, wissen wir auch noch nicht genau. Eine aktuelle Info besagt, dass sogar im Dezember wieder ein Lockdown stattfinden soll, um die feierfröhlichen Kolumbianer davon abzuhalten Weihnachten und die Zeit davor wieder über die Stränge zu schlagen. Zwei Tage vorher wusste aber selbst das Konsulat noch nichts davon. Was ist also nun korrekt? Und wie sind die Menschen nach 6 Monaten eingesperrt sein drauf? Sollen wir also Kolumbien auslassen und direkt nach Ecuador verschiffen? Und wenn ja, von wo aus? Von hier oder erst nach Guatemala reisen und dann von dort nach Ecuador. Oder doch weiter an Kolumbien festhalten? Schwer zu entscheiden bei der Informationslage! 

 

@ alle: Wer darüber etwas Aktuelles über Kolumbien weiß oder Leute vor Ort kennt, die etwas dazu sagen können, darf uns gerne Bescheid geben. Wir sind für jede hilfreiche Info dankbar, die über die Zeilen des Auswärtigen Amts hinausgehen! Wir können sonst unsere Weiterreise kaum planen. Vielen Dank schonmal vorab für Eure Unterstützung!

 

Wir hatten beim letzten Mal in Veracruz vom Hotelzimmer aus einen Platz gesehen, wo wir auch für lau stehen können und das machen wir jetzt auch. Nebenan bewacht die Security einen nachts leeren Parkplatz eines Justizgebäudes und sie haben keine Einwände, wenn wir uns daneben stellen. So haben sie wenigstens ein Auto, auf das sie aufpassen können.

Die Restaurants in der Nähe kennen wir ja auch bereits, da müssen wir nicht lange suchen. Aber ansonsten übt die Stadt keinen weiteren Reiz aus und wir fahren auch gleich am nächsten Morgen bei erstaunlich leeren Straßen wieder raus.

 

 

Wir nehmen wieder eine Bezahlautobahn, da wir einfach keine Lust mehr auf Topez haben und nach 10 Monaten in diesem Land auch ein bisschen reisemüde von Mexico geworden sind. Die Sicht ist sehr klar und so haben wir eine ganze Weile einen wunderbaren Blick auf den erloschenen Vulkan und höchsten Berg Mexicos, den Orizaba. Nicht weit dahinter gibt’s nen Zwischenstopp in CORDOBA. Ein kurzer Bummel und den Wassertank auffüllen (das bekommen wir sogar umsonst), mehr ist hier nicht drin. Auffällig ist, dass die Stromleitungen überall mit Misteln bewachsen sind. Irgendwie unterstützt der Ort das Gefühl, dass mal langsam gut ist mit diesem Land. 

 

 

Ein ganzes Stück außerhalb soll aber ein guter Platz zum Übernachten sein. Wir fahren einfach mal hin und siehe da, es lohnt sich doch immer noch, neue Ecken zu besuchen. Hier besteht quasi ein ganzes Dorf und das Umland aus Gärtnereien und Palmenschulen. Die Gärten der Häuser sehen ebenso vielfältig bepflanzt aus. Sehr schön bunt und grün! Und mit trockenem Klima! Und sehr ruhig! Und kühler! Es ist sogar abends so frisch, dass man sich mal wieder mit einer Decke aufs Sofa begeben mag! Über ein halbes Jahr lang war das nichtmal für mich denkbar gewesen… Jetzt ist es eine willkommene Abwechslung.


 

Jorge hier vom Platz bietet an, uns die Gegend zu zeigen. Das machen wir gern mit, haben aber nicht erwartet, dass er uns über 3 Stunden einmal quer durch die Familie führt, wobei scheinbar alle irgendwie Pflanzenzüchter sind. Und natürlich sind sie alle stolz wie Bolle auf das, was sie da hochziehen. Wir müssen für Jorge auch vor jedem Busch und jeder Blüte für sein Fotoalbum oder Instagram-Account posieren. Was er auch immer damit anfangen will… Ein Abstecher zu einer Grotte mit ziemlich großen Fledermäusen ist auch noch dabei. Die Umgebung ist wirklich schön und wir freuen uns über Jorges Engagement, aber nachdem wir nun wirklich jede Staude hier bewundert haben, ist auch mal gut. Nachmittags um 3 hängt uns der Magen in den Kniekehlen und wir freuen uns, als wir danach endlich Mittag essen können! Und dann ab in die Hängematte in einem Gartenabschnitt, der aussieht wie ein Obstgarten in Deutschland. Täglich kommt hier ein unvorstellbarer Vogelschwarm vorbei. Der ganze Himmel voller schwalbenähnlicher Piepmätze. Und ein paar Minuten später ist das Phänomen auch schon wieder vorbei. Horden von „Geräuschevögeln“ sind sogar immer da und erzeugen ihren irren Sound.

 

 

Zum Abschied nach ein paar Tagen bekommen wir noch einige Orangen aus Jorges eigenem Öko-Anbau mit. Sooo lecker können also Orangen sein, wenn sie nicht hochgezüchtet sind!!! Fantastisch! Warum in Supermärkten international zunehmend nur noch Atomgemüse und -obst ohne jeglichen Geschmack angeboten wird, wenn Essen von Natur aus so aromatisch sein kann, ist mir ein völliges Rätsel! Und hier in der Gegend kommen die Leute einfach durch Anpflanzung verschiedenster Bäume und Sträucher vollkommen ohne Dünger und Pestizide aus! Geht doch!

 

Der „Dia de los Muertos“, der Tag der Toten am 02. November nähert sich langsam. Nach Recherche, wo noch am wenigsten Einschränkungen bei den Feierlichkeiten herrschen, stellt sich heraus, dass unser nächstes Ziel dafür recht gut geeignet ist. Wir wollen nämlich nach CHOLULA. Das Wahrzeichen der Stadt ist eine sonnengelbe Kirche, die die Spanier als Symbol ihrer Kolonialherrschaft und für die Bezwingung der prähispanischen Kultur oben auf einer riesigen Pyramide erbaut haben. Die Dimensionen der dem Volumen nach angeblich größten Pyramide der Welt sind nicht mehr so klar zu erkennen, da ein großer Teil der Ebenen grasüberwachsen ist. Auf einem dieser Grasplätze direkt unterhalb der Kirche quartieren wir uns für die nächsten Nächte ein. Der aktive Vulkan Popocatépetl ist von hier aus auch prima zu sehen. Er ist ein weiterer Grund, warum wir hier sind. Hoffentlich macht er die Tage irgendwas! 

 

 

Ein Bummel durch den öffentlichen Park führt an einem Cempasúchil-Feld vorbei. Diese leuchtend orangene Blume ist das Symbol für die Sonne und das Leben und wird beim Dia de los Muertos überall eingesetzt: als Deko, als Blume für die Gräber, Blütenblätter werden vor der Haustür verstreut, um den Verstorbenen darüber ins Haus einzuladen, für die Altare, die in allen Häusern in unterschiedlich aufwändigen Dimensionen aufgebaut werden, usw. Hier wird tatsächlich davon ausgegangen, dass die toten Seelen ein paar Tage vor dem 02. November wieder zu ihren Familien zurückkehren und dort werden sie entsprechend gebührend empfangen. Auf den Altaren werden ihre Lieblingsgetränke und -speisen ausgelegt sowie das überall gerade gebackene Pan de Muertos, ein speziell geformtes Hefeteigbrot. Dazu kleine Schoko- oder Zuckergusstotenköpfe, Kerzen und buntes Papel Picado, Scherenschnittpapiergirlanden mit morbiden Motiven. Am Esstisch wird sogar für die Verstorbenen mitgedeckt. Normalerweise würden jetzt auch viele Paraden stattfinden, die natürlich zwecks Massenvermeidung ausfallen. Am 01. oder 02. November (je nach Stadt) werden die Toten dann von der ganzen Familie mit viel Musik, Party und Essen zum Grab zurückbegleitet und dort wird im wahrsten Sinne des Wortes auf den Gräbern getanzt. Eine faszinierende Tradition, die ganz offensichtlich den Tod akzeptiert anstatt ihn totzuschweigen, dadurch das Leben feiert und die Verstorbenen einfach daran teilhaben lässt. 

 

Auf dem besagten Blumenfeld finden sich überraschend ein paar als Skelette mit traditionellem Abendkleid („Catrinas“) bzw. Anzug verkleidete junge Leute ein, die sich im orangenen Cempasúchil-Meer von Freunden fotografieren lassen. Ich frage, ob ich ebenfalls Fotos von ihnen machen darf. Sie sind dabei. Ich freu mir nen Keks und lege los! Guckt mal!

 

 

Für 3 Tage machen wir einen Abstecher in den NATIONALPARK des POPOCATÉPETL und des IZTACCÍHUATL (Popos erloschenem Kollegen). Die Strecke wird irgendwann zur Piste und unterwegs taucht auf einmal ein französischer Reise-LKW auf. Wir rumpeln gemeinsam langsam den Berg auf eine stattliche Höhe von 3.800 m hinauf. Und was finden wir dort beim Visitor Center vor: lauter Absperrband und Polizei! Nichtmal parken darf man hier. Hä? In der Stadt haben wir uns auf schmalen Bürgersteigen mit doch ziemlich vielen Mexikanern aneinander vorbeigeschoben und hier in der weiten Natur ist alles gesperrt, um Menschenansammlungen zu verhindern. Si, no, es claro…! Naja, der Wanderweg weiter den Popo hinauf ist gesperrt, da er gerade recht aktiv ist. Das ist noch verständlich, die Aktivität im Internet nachlesbar. Aber die Izta-Seite auch dicht zu machen… 

 

Nachdem wir eine Weile dort ratlos herumstehen, kommt ein Polizist an und erzählt uns wie auch der französischen Familie, dass ja immer irgendwas ginge in Mexico. Wenn wir zurück zu der Brücke ein paar Meter den Berg runter fahren würden, käme er nach und zeige uns dann einen Weg außerhalb der Kameras. Tse…, na dann mal los! Er kommt tatsächlich dazu und verrät uns nicht nur einen Weg, sondern stellt uns sogar drei zur Auswahl und geht am Ende noch voraus. Die Policia Estatal höchstpersönlich! Er ist sonst auch schon gern mal Bergführer und hat ein ordentliches Tempo drauf. Wir haben uns ja aber nunmal die letzten Monate auf Meeresniveau aufgehalten, nur 2 Tage in Cholula auf gut 2.000 m Höhe verbracht und nun gleich ein strammer Marsch auf 3.800 m. Das ist doch ein bisschen viel für meine Sauerstoffversorgung und ich muss mich zwischendurch wegen Schwindel setzen. Die Höhe selbst war bisher machbar, aber dann noch quasi Sport zu betreiben, ist ein bisschen viel ohne Akklimatisierung. Ich könnte mich noch etwas zwingen, wenn ich erkennen könnte, dass mir das in Richtung eines besseren Ausblicks etwas bringen würde, aber besser als jetzt kann man ja schon gar nicht auf den Popo sehen. Daher bleibe ich lieber schnaufend im Gras sitzen. Die schon wesentlich mehr an Höhe gewöhnten Franzosen können da ja gern weiter mitlaufen. Aber der Polizist bietet mir noch an, dass ein Kollege uns mit einem Quad den Berg weiter hoch fahren könnte. Als wir zurück am Auto ankommen, wartet dieser dort auch schon. Er möchte aber ein bisschen zuviel Bakschisch dafür haben und fährt wieder ab. Aber was sagt man dazu… die Polizei, Dein Freund und Entertainer…!

 

 

Ich setze mich hier auch nochmal ins Gras und sehe dem Popo zu. Die austretenden Gaswolken werden meist von schnell am Berg aufsteigenden Wolken verdeckt, was aber auch ganz schön anzusehen ist. Sogar hier oben findet sich noch jemand ein, der sich in Dia de Muertos-Verkleidung ablichten lässt. 

 

Die Franzosen kommen gar nicht wieder, obwohl es langsam dunkel wird. Weit und breit nichts von ihnen zu sehen. Schade, wir hätten uns gern noch mit ihnen unterhalten. Viele Reisende trifft man ja derzeit sonst nicht. Wir sind aber froh, dass wir umgedreht sind. So viele Stunden mehr an temporeicher Wanderung, nä! Außerdem ist es mit zunehmender Dämmerung richtig arschkalt geworden mit ungemütlichem Wind. Kaum dem tropischen Klima entfleucht, müssen wir uns doch jetzt glatt in Anorak und Schals mummeln. In der Nacht, die wir 400 m tiefer gelegen neben einem Restaurant und Fischteich verbringen, haben wir tatsächlich nur noch 2 °C!

 

 

In der dortigen „Heidi“-Landschaft klettern wir 3 Mal täglich auf eine Anhöhe für einen Popo-Check, ob da was rauskommt, aber es wird nur ein klägliches Piff-Piff oder eine dünne Aschewolke statt ein ordentlicher Wumms. Muss ja nicht gleich in einer Katastrophe enden, aber das, was da oben rauskommt, wird der Masse und Höhe des Vulkans nicht so wirklich gerecht. Abends machen wir eine Lauchpfanne. Wollen doch mal sehen, ob nicht wenigstens ein Popo dazu zu bringen ist, ordentlich Dampf zu machen…

 

 

Wieder runter vom Berg finden wir uns erneut auf dem Rasenplatz in CHOLULA ein. In der Stadt fühlen wir uns ganz wohl, was nicht ganz unwesentlich an den leckeren Restaurants liegt, die sogar mexikanische Gerichte so interessant neu interpretieren, dass sie endlich mal schmecken! Und die Bäckerei nebenan lockt mit fantastischem Brot und französischen Croissants, die fast sogar noch besser sind als in Frankreich! Und außerhalb des Städtchens gibt es sogar einen „Yuppie-Chedraui“, der soviel importierte Produkte hat, dass wir überlegen müssen, wie wir das alles im Auto unterbekommen. Kulinarisch sind wir also bestens versorgt und auch das historische Zentrum an sich ist durchaus ganz hübsch. Irgendwie habe ich hier den Eindruck, wir wären schon in Peru. Wenn ich aber das Licht betrachte und wir auf der Ringautobahn unterwegs sind, fühlt es sich an wie in L.A.

 

 

An einem Abend, wir wollten unseren Aussichtspunkt schon fast wieder verlassen, spuckt doch der Popocatépetl endlich eine ordentliche Aschewolke vor dem restlichen Licht des Sonnenuntergangs aus. Mit der leichten Brise formt sich die Wolke sogar wie ein Blitzpfeil. Ich bin v.a. deswegen begeistert, da ich ja in meinen idealsten Träumen gewünscht hatte, dass eine Vulkanexplosion im Dunkeln einen richtigen Blitz erzeugt. Hab ich schonmal auf Bildern gesehen und war fasziniert. So gesehen halte ich diese Wolkenform für ziemlich nah rangekommen an meine Wunschvorstellung! 

 

 

Hier noch ein paar weitere Popo-Eindrücke, bei denen auch ein bisschen mehr passiert als nur ein Piff-Piff.

 

 

Die Nachbarstadt ATLIXCO breitet sonst zum Tag der Toten riesige Motivteppiche aus Blumen und Blütenblättern aus. Um Heerscharen von Besuchern zu vermeiden, fällt dies natürlich dieses Jahr aus, aber es ist trotzdem sehr schön hier. Und wir finden ein kleines Café mit Blick über die Stadt bei unglaublichem Chai Latte mit Ingwerschaum.

 

 

Und da wir nun so nah an PUEBLA dran sind, nutzen wir von Cholula aus die Bahn, um uns die Innenstadt auch dort einmal anzusehen. Der Zeitplan des Touristenzugs ist nur leider etwas merkwürdig. Entweder man fährt gleich um 7 h morgens los (für uns keine Option, wenn nicht gerade eine unglaubliche Besonderheit zu sehen ist) oder um 13 h. Zurück müssen wir aber schon um kurz vor 17 h. Danach geht nix mehr… Dementsprechend lassen wir uns bewusst auf dieses recht zackige Erlebnis ein, bekommen aber dennoch einen guten Eindruck der Stadt, der uralten Bibliothek, überteuertem Eis und gaaaanz fantastischem Essen, für das wir einen Stadtteil ganz auslassen. Mit vollem Magen müssen wir dann aber auch fix zum Zug, sonst kommen wir hier heute nicht mehr weg. Und es wird knapp… Das nenn ich mal eine Stippvisite.

 

 

Und da wir nun überall in diesen Städten in den letzten Tagen etwas vom Dia de los Muertos und den Bräuchen mitbekommen haben, hier mal ein Überblick über unsere Eindrücke von Dekos, Friedhöfen (in dieser Region dürfen die Familien wenigstens noch hin, wenn auch das Feiern im Moment dort verboten ist) und Altären in allen Größen und Variationen. In Puebla wurden besonders kreative Ideen davon fotografiert und als großformatiges Bild im Bibliotheksgebäude aufgestellt. Derzeit kann man ja nicht mal eben bei Privatpersonen einfallen, um sich dies anzusehen, was aber sonst wohl gang und gäbe ist.

Wobei ich aber doch hier und da von ein paar Familien eingeladen werde, kurz aufs Gelände zu kommen, um ein Bild zu machen. Ich freu mich über ihre Offenheit, sie freuen sich darüber, dass ich ihre Tradition zu diesem Feiertag toll finde, also alle glücklich! So einfach kann’s gehen.

 

 

So, was machen wir nun? Unsere Route, mit all dem, was wir von Mexico sehen wollten, ist beendet und wir wissen auf Grund der aktuellen Lage und wechselnden Informationen immer noch nicht, in welches Land es nun als nächstes gehen soll. Bis zum 25. Dezember haben wir noch Zeit, dann läuft doch tatsächlich unser 2. Visum hier aus. Die Entscheidung fällt auf Oaxaca, wo wir eine Weile verbringen wollen, um Infos aufzutreiben und zu sortieren. Da haben wir uns im Februar wohlgefühlt und wir können zur einen Seite das Gebirge runter, um nach Guatemala reinzufahren oder zur anderen Seite, um doch von Veracruz nach Kolumbien zu verschiffen. 

 

Die Fahrt nach OAXACA führt nochmal mehr ins Hochland, die Landschaft verändert sich wieder, wird mehr kakteenbestanden. Juhu! Gut, dass ich den ersten Teil des Fahrtages Beifahrer bin und genug Zeit habe, wieder viel zu viele Fotos davon zu machen. Dass diese Gewächse aber auch immer eine solche Euphorie auslösen können...!!! 

 

 

Wir erreichen den Garten eines deutschen Paares außerhalb von TULE am Nachmittag. Von dort haben wir von weitem einen schönen Blick auf Oaxaca und können jeden Abend eine wunderbare Sonnenuntergangsstimmung ansehen. Zwei Wochen lang sind wir da auch immer mit irgendwas beschäftigt und bringen Jumpy nun endlich mal zu einer Werkstatt, um die Buchsen austauschen zu lassen, die tatsächlich ganz schön ausgenüdelt sind. Als wir in die Halle reinfahren, läuft es wie beim Formel 1-Boxenstopp: Kaum, dass wir stehen, kommen drei Mechaniker mit großem Wagenheber und sonstwas heran, und es geht sofort los. Nach einer Stunde sind sie fertig und Jumpys Gequietsche, Gerumpel und Geknatsche hinten hat jetzt endlich ein Ende und er kann mit neuen Kniegelenken wieder fröhlich über alle Hindernisse springen. 

 

Sonst ist aber auf dem Platz nicht viel los, denn die zwei Gäste in den Cabañas lassen sich wenig bis gar nicht blicken. Mit dem einen, Robert aus Kanada, machen wir zwar noch einen Ausflug in die Innenstadt, aber sonst sieht man ihn auch nicht viel. Wir bekommen einen Tipp, dass auf dem anderen Campingplatz in Tule noch ein weiteres Paar aus Deutschland steht, das zuverlässige Informationen für Kolumbien anfragen kann. Dementsprechend besuchen wir Petra und Stefan und verplaudern uns so lange und so nett, dass wir beschließen, dorthin umzuziehen. Es sind auch noch ein paar andere Overlander da und so wirkt das Ganze doch mehr nach Leben, als wo wir uns derzeit befinden, auch wenn es hier auch sehr schön ist.

 

Ein Phänomen allerdings werde ich nicht vermissen, denn im nur 2-3 km entfernten Nachbardorf geben sich Marktschreier mit Lautsprechern die Klinke in die Hand. Sie rufen mehrmals am Tag ihr gesamtes, wirklich ihr gesamtes Sortiment lautstark aus und das schallt die Anhöhe hinauf wie in einem Amphitheater. Am Anfang unseres Aufenthalts ist dies nur ein paar Mal am Tag zu hören und das Geleier, in dem das vorgetragen wird, ist fast schon amüsant. Als das zum Ende unserer 2. Woche aber fast den ganzen Tag zu ertragen ist, nervt es wirklich. Und das geht von morgens um halb 8 h bis abends um 21 h! Wie halten das die Bewohner des Dorfes aus??? Das kann man doch nicht ernstaft ausblenden!

 

 

Auf dem neuen Platz dagegen ist es ruhig, die ganze Anlage ist wunderschön gepflegt und es gibt sogar einen Pizzaofen und Grillplatz, den wir gemeinsam mit den anderen gerne nutzen. Das ist schön, wieder viele Leute zum Schnacken um uns zu haben. Alle müssen sich wegen Corona gerade umorientieren, nicht nur mit den Reise-, sondern auch den Lebensplänen und so haben wir hier gerade alle ein kleines Fragezeichen über uns schweben, was jeder für sich demnächst tun wird. Aber alle genießen die Friedlichkeit dieses Ortes, sind zufrieden mit dem, was ist und sind offen für das, was kommt. Das ist sehr angenehm!

 

@ Jacques: Thank you again for some relaxing resets!!! It was a pleasure getting to know and talking with you!

 

3 Wochen genießen wir diesen Ort und kommen auch kaum raus aus dem Gelände, ist einfach zu einlullend hier. Und die Frage, in welches Land wir nun reisen sollen in diesen komischen Zeiten gibt auch nicht gerade einen Energieschub. Im Gegenteil, mich macht das total müde. Aber irgendwann setzt sich Guatemala als Entschluss durch. Dann müssen wir nicht über die Weihnachtszeit verschiffen, wo nun erst recht nicht klar ist, wie die Länder da mit ihren Restriktionen umgehen. Da wollen wir nicht getrennt von Jumpy unterwegs sein.

 

 

Zurück auf der Straße unterwegs, müssen wir uns erstmal dran gewöhnen, wieder am normalen Leben teilzunehmen. Wenn man sich eine Weile in solch einem geschützten Raum wie dem letzten Campground aufhält, lebt man in solch einer Blase, dass wir uns draußen erstmal wieder dran gewöhnen müssen, mit immer neuen Eindrücken umzugehen. 

 

Wir krüdeln die Berge über karges, vertrocknetes Land hoch zu einem Ort, von dem man angeblich einen guten Blick auf den Pazifik haben soll. Scheint aber Blödsinn zu sein, denn wir sehen auch noch am nächsten Tag ewig nichts davon. Unendliche Serpentinen später stehen wir dann aber in PUERTO ESCONDIDO am breiten Strand. 

 

 

Das eigentliche Ziel ist heute aber die LAGUNA MANIALTEPEC, in der durch ihre besondere Mischung zwischen Salz- und Süßwasser viel Bioluminiszenz-Plankton herumschwimmt. Die kleine Palmenbucht, in der wir stehen, sieht ganz idyllisch aus, liegt aber so nah an der Straße, dass der vorbeifahrende laute Verkehr keine innere Ruhe aufkommen lässt. Nachts ist es heute dennoch erstaunlich still dafür, obwohl wir Schlimmstes befürchtet hatten. 

 

Komisch, wieder ohne andere Reisende in der Gegend rumzustehen. Für etwas Ablenkung sorgt die abendliche Bootstour auf dem See. Mond ist derzeit keiner da, das leuchtende Plankton hat also gerade nicht viel Konkurrenz. Es sind viele Fische im See, die vor dem Boot flüchten und erzeugen dabei so viel Leuchten im Plankton, dass es aussieht, als würden die Fische selbst das Licht anknipsen. Auch die Bugwelle erscheint in einem diffusen hellblau. Irre!

Der See ist so warm, der hat sogar eine mollige Badetemperatur. Aber am schönsten sieht es aus, wenn man mit Händen und Füßen nur an der Oberfläche das Wasser bewegt. Finger und Zehen werden richtig vom Licht umrandet. Und streift man nur langsam durchs Nass, dann funkeln die Mikroorganismen wie Sterne. Hübsch ist das! 

 

Dieses Erlebnis wird leider auch gleich wieder getrübt. Eine Bar in der Nachbarschaft lässt über Nacht ihre Techno-Musik an und nicht enden wollendes Hundegekläffe trägt noch zusätzlich dazu bei, dass an Schlaf kaum zu denken ist. Wie anstrengend! Ich wünsche mich nach Oaxaca zurück in meine ruhige Seifenblase…

 

 

Der nächste Halt für uns in die Bucht SAN AGUSTíN. Die Besitzer des Platzes sollen extrem freundlich sein, aber während unserer Anwesenheit bricht der Herr des Hauses alle Nase lang in cholerische Anfälle aus. Seine Frau und sein Computer können es ihm wohl grade nicht recht machen… Leider passiert das auch schon um 7 Uhr morgens! Schlaf nachholen ist hier also auch nicht. Dennoch ist die Bucht ganz hübsch hier, baden kann man auch sehr gut und das barfuß im Sand erreichbare Restaurant nebenan verwöhnt uns mit Shrimps in einer halben Ananas. Ein paar Schweizer sind auch noch für eine Nacht hier und flüchten derzeit vor den ganzen Corona-Restriktionen in Europa. Da treiben sie sich lieber ein halbes Jahr in Mexico rum. Können wir sehr gut nachvollziehen!!!

 

 

Wieder ein Stück weiter stellen wir uns an den PLAYA BRASIL, wo wir im Frühjahr auch schon einmal waren und die hohen Wellen so schön von der untergehenden Sonne angeleuchtet wurden. Heute ist aber kaum Wind, die Wellen dementsprechend klein, aber wenigstens werden wir diesmal nicht vom herumwehenden Sand abgestrahlt. Irgendwie stellt sich hier - wie beim letzten Mal - ein besonders mexikanisches Gefühl ein. Woran das liegt, kann ich auch diesmal nicht sagen. Ein Weihnachtsgefühl aber will Mitte Dezember nicht aufkommen. Da weiß ich wenigstens, woran es liegt: Sandstrand, sommerliche Temperaturen und ganz viel Sonne!

 

Wir hatten eigentlich geglaubt, dass wir hier mal wieder Übernachtungskosten sparen könnten, aber um 5 h morgens ruft ein Typ, dass wir hier nicht stehen dürften, da hier der Strand wegen COVID gesperrt sei und wir sollten ihm doch bitte 1000 Peso Strafe zahlen, sonst holt er seine Kollegen von der Polizei und dann würde es noch teurer werden. Ich meine, es ist derselbe Typ, der im Frühjahr hier mitten in der Nacht nach Zigaretten gefragt hat und sich dann auch recht schnell hat verscheuchen lassen. Diesmal funktioniert’s leider nicht und er bleibt hartnäckig vor Jumpy stehen und textet uns zu. Einmal kurz draußen Licht angeschaltet, ist deutlich zu sehen, dass er in abgerissenen Klamotten dasteht. Von wegen, er wäre Polizist… Aber wie werden wir ihn jetzt nun los??? Ich bin sowas von stinksauer und völlig fertig, weil ich schon wieder nicht schlafen darf! Das ist auch wirklich sein einziger Trumpf, den er in der Hand hält, denn es ist noch stockduster, hier in der Gegend gibt es keinen anderen freien Platz zu stehen und selbst wenn, wären wir dafür auch zu müde. Bei einem Restaurant in der Nähe wäre es möglich, aber da ist ja nachts um 5 auch keiner mehr, um dort anzufragen. Der Typ hört auch nicht auf, zu sabbeln. Irgendwann gebe ich auf und rücke 100 Peso (4 €) statt 1000 raus. Mehr hätten wir nicht und er solle uns in Ruhe lassen. Endlich zieht er ab! Meine Güte sind die letzten Tage in diesem Land anstrengend!!! Mexico will sich echt nochmal unbeliebt und den Abschied sehr leicht machen, was?! Schlafen ist nun natürlich auch nicht mehr… schon wieder...

 

 

Zwei Fahrtage bis zur Grenze sind es noch. Es wäre auch schneller möglich, aber die Fahrerei ist nach je 4 Stunden und den letzten gruseligen Nächten so ermüdend, das muss reichen. In TAPACHULA, nahe der Grenze zu Guatemala müssen wir uns irgendwie noch einen Corona-Test organisieren. Im dichtesten Stadtverkehr ist die erste Adresse das Rote Kreuz, die machen aber solche Tests nicht. Wir werden zum Krankenhaus geschickt, die machen das aber nur für Einheimische und nur bei Symptomen. Wir sollen doch bitte ein spezielles Labor ansteuern, bekommen noch eine Adresse mit auf den Weg. Telefonisch klären die das auch schon für uns ab. Wir sind nun also sicher, dass wir dort den Kram erledigen können, aber kaum angekommen, erfahren wir, dass sie nur Schnelltests machen und keinen PCR-Test, den man anbgeblich für die Grenze benötigt. Wieso schickt uns dann das Krankenhaus hierher und wieso telefonieren die vorher noch???? Aaaaahhhhh!!! Wir haben auch schon über ein paar Ecken gehört, dass manche Reisende auch nur mit Schnelltest oder auch ganz ohne Test von Mexico rüber nach Guatemala gekommen sind. Aber man weiß ja vorher leider nicht, an welchen Grenzbeamten man nun gerät. Wir erhalten jedenfalls nochmals eine neue Adresse für ein wiederum anderes Labor, wo wir uns morgen früh einfinden sollen. 

 

Wir glauben, uns für heute nur noch auf einem Hotelparkplatz stellen zu brauchen, auf dem eine Übernachtung wohl gestattet wäre. Aber die Rezeption lehnt erst ab und ruft später horrende Preise auf. Ein paar verzweifelte Blicke unsererseits und ein paar Telefonate der Angestellten mit der Direktion später bekommen wir einen reduzierten Preis genannt, denn wir dann nur noch müde hinnehmen, da es hier wirklich nirgendwo eine brauchbare Alternative gibt. Jedenfalls nicht, ohne weiter stundenlang in der Stadt herumzukurven. Es wird außerdem bereits dunkel und wir müssen uns echt mal ausruhen. Hier scheint es wenigstens sogar recht lärmfrei zu sein. Im Restaurant genehmigen wir uns noch ein Abschiedsessen und den landestypischsten Drink - eine Margarita - zum Anstoßen auf tatsächlich ein ganzes Jahr in Mexico!

 

 

Vor lauter Aufregung vor dem Grenzübertritt ist auch schon früh wieder Tag. Wir müssen ja auch noch zum Labor. Dort hören wir vom Arzt, dass auch ein Schnelltest für die Grenze reicht. Meistens jedenfalls… Ja, was denn nun???? Und wenn es ausnahmsweise nun nicht reicht? Aber ein Schnelltest kostet 90 € für uns zusammen, ein PCR-Test ganze 300 €. Da kommt man schonmal ins Grübeln. 

Die Entscheidung fällt auf die schnelle Variante, der dann auch 2 Stunden früher fertig ist. Wir probieren es einfach aus… Gleichzeitig ergibt das noch einen Unsicherheitsfaktor mehr an der Grenze… 

Unsere Nasen werden jedenfalls bis ganz hinten mit dem Stäbchen ordentlich durchpoliert, das ist vielleicht ein Gefühl! 1 1/2 Stunden später dann das Ergebnis: negativ! Bei jedem Schrittchen vorwärts bin ich immer erleichtert, aber davon sind wir ja noch nicht über die Grenze…

 

Auf der mexikanischen Seite in TALISMAN (hoffentlich ist das ein gutes Omen) geht es noch geordnet und gesittet zu. Es ist nicht viel los. Sollte schnell gehen, könnte man denken, aber die sammeln erstmal unsere Pässe ein und rücken sie für eine Weile nicht wieder raus, ganz ohne Begründung. Wir sollten uns einfach eine Weile gedulden… Aber wieso denn? Ist doch alles sauber mit unseren Papieren. Ich schnall es nicht. Und wenn ich was nicht abkann, dann ist es, wenn man mir keine Begründungen liefert. Das könne jetzt bis zu 4 Stunden dauern! Hä? Gibt es ein Problem? Nein, alles gut! Irgendwann erzählen sie dann doch, dass sie unsere Visastationen innerhalb des Landes nochmal abtelefonieren müssten, das sei ein ganz normaler Vorgang. Erst bekommen wir das Scheißding erst nach 2 1/2 Monaten Warterei in Calderitas erteilt und dann dauert es am Ende 2 1/2 Stunden, um es wieder loszuwerden und einen Ausreisestempel zu bekommen. Ist doch nicht zu fassen! Aber zum Schluss ist alles gut und wir können gehen. Falls Guatemala uns aus irgendwelchen Gründen abweisen sollte, dürften wir auch sogar heute noch wieder nach Mexico einreisen. Das wollen wir auf gar keinen Fall, aber beruhigend zu wissen, dass es ginge…

Das war also unsere letzte Amtshandlung am 18. Dezember in Mexico! Auf nach Guatemala, dort wird’s noch spannender an der Grenze…

 

 

FAZIT MEXICO:

 

Aufenthalt: 1 Jahr

gefahrene km: 12.911 plus gefühlte 5 Mio. Topez…

gesamte km: 23.266

 

Wir haben hier ein unglaublich vielfäliges Land kennengelernt. Tolle Landschaften, bunte Kolonialstädte, alte Kultur und freundlich, fröhliche Menschen, deren Laune auch Corona nichts anhaben konnte. Das Phänomen gibt es, aber es scheint irgendwie kein wirkliches Problem zu sein. Wir sind froh, dass wir diese Zeiten in einem Land verbringen durften, das die ganze Situation mit am freiheitlichsten weltweit gehandhabt hat. Hier leben die Menschen oft von der Hand in den Mund und so haben die Regierung und die einzelnen Bundesländer eben entschieden, dass dauerhafte, extreme Restriktionen sicher mehr Existenzen vernichten würden als ein Virus das könnte. Und sie haben es dennoch verhältnismäßig gut im Griff. Bis auf ein paar Monate der Einschränkungen haben wir uns hier frei bewegen dürfen und es war vieles möglich. Und wo wir hinkamen, haben Sehenswürdigkeiten gerade frisch wieder geöffnet. Das war ein ziemliches Privileg, sonst überlaufene Ziele allein oder fast allein entdecken zu können. Das war einer der Vorteile, die Corona mit sich gebracht hat, auch wenn wir vorher nie geglaubt hätten, hier ein ganzes Jahr statt nur 3 oder 4 Monate zu bleiben.

 

Auch haben wir uns hier immer sicher gefühlt, auch wenn sich das Auswärtige Amt auf seiner Webseite geradezu mit Warnungen überschlägt und es demzufolge fast ein Ding der Unmöglichkeit sei, dieses Land unbeschadet zu überstehen. Das wird Mexico wirklich nicht gerecht. Schön war es hier, aber jetzt möchten wir doch auch endlich mal Land Nr. 3 auf unserer Reise erkunden!

 

Kommentare: 6
  • #6

    Silke aus der Sillem (Montag, 23 November 2020 01:02)

    Hallo ihr zwei, wie schön hier von euch zu lesen. Die Bilder sind wunderschön und sprechen für sich... Unser Licht im Treppenhaus ist defekt, da mussten wir an euch denken � Habt weiter eine so schöne Zeit und passt gut auf euch auf. Liebe Grüße aus der Heimat

  • #5

    roberto aus der sille (Sonntag, 15 November 2020 15:49)

    hallo, sonntagsgrüße aus hh! ich freue mich, dass ihr eure reise unter den aktuellen bedingungen dennoch geniessen könnte - und hier so schöne eindrücke teilt. glückwünsche zum ein-jährigen! ich folge euch weiter... lg roberto

  • #4

    Muddi und Vaddi (Montag, 05 Oktober 2020 10:58)

    Hallöchen Ihr Beiden,

    Ein Jahr ist schon rum, Ihr habt trotz Corona viel gesehen und schöne Dinge erlebt. Viele nette und hilfsbereite Menschen getroffen. Weiterhin eine glückliche und erfolgreiche Reise wünschen Euch
    Muddi und Vaddi

  • #3

    Toddy (Samstag, 01 August 2020 12:34)

    Hallo Gourmets (immer ein kühles Corona auf Tasch, wie ich sehe!)

    Ich bin endlich mal wieder in Ruhe dazu gekommen, weiter zu lesen. Hat Spaß gemacht, war bisher sogar der interessanteste Teil!
    Ich schreib die Tage noch ne Mail. Gute Reise Euch weiterhin und Glückwunsch zum endlich erlangten "Aufenthalt aus humanitären Gründen". :-)

  • #2

    Muddi und Vaddi (Mittwoch, 08 Juli 2020 13:44)

    Hallöchen Ihr Beiden,
    wieder einmal phantastische Bilder. Es sind teilweise ja schon recht putzige Tierchen dabei, u.a. dicke Raupen mit Gesicht. Ganz tolle Schnappschüsse.
    Liebe Grüße Muddi und Vaddi

  • #1

    Mark (Sonntag, 21 Juni 2020 13:46)

    Moin Torben und Inga,
    heute ist der 21.06. und ich habe am 18.06. per Mail ein Lebenszeichen von Torben erhalten. Schön, dass es Euch gut geht und der Blog ist super interessant, schöne Bilder und tolle Erlebnisse!
    Jetzt werde ich Eurem Blog weiter folgen und hoffe, dass die Corona Zwangspause auch für Euch bald vorbei ist!
    Ich habe die Blog-Adresse auch an die anderen Fussis aus der DAL-Fußballrunde weitergeleitet, da schon viele danach gefragt hatten!
    Liebe Grüße aus Hamburg und bleibt gesund,
    Mark